Arbeiten 4.0 – Was ist damit gemeint?

Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen und Produkten durch Vernetzung von IT-Infrastrukturen mit Datenströmen, Produktionstechnologien und menschlicher Arbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette verändert Arbeit und Arbeitsbedingungen. Zugleich ändern sich Werte von Menschen, ihre Vorstellungen von Arbeit und ihrem Leben. Verbunden mit dem demografischen Wandel entstehen neue Anforderungen an Arbeit und Work-Life-Balance. Im Grünbuch Arbeiten 4.0 des Bundesarbeitsministeriums werden vielzählige Trends beschrieben, die die Arbeitswelt der Zukunft betreffen (können). Arbeiten 4.0 ist das Schlagwort analog zum Trendbegriff Industrie 4.0. Mit ihm verbunden sind u. a. mitbestimmte Handlungsfelder wie Aus- und Weiterbildung und lebenslanges Lernen, ganzheitlicher Arbeits- und Gesundheitsschutz, Arbeitszeitgestaltung, Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben, Einführung von Technik sowie Teilhabe von unterschiedlichen Beschäftigtengruppen. Aus der Perspektive des Einzelnen verbinden sich mit Arbeiten 4.0 wachsende Bedürfnisse nach mehr Wahlfreiheit, Teilhabe und Selbstbestimmung. Eigenverantwortung und individuelle Arrangements von Beschäftigten mit ihren Führungskräften erhalten größere Bedeutung, denn immer mehr Arbeit findet eigenverantwortlich statt.

Weil man nicht isoliert in Deutschland produziert und arbeitet, bewegt sich alles im Kontext internationaler Verflechtungen im „globalen Dorf“. Dies gilt sowohl für sich verändernde Unternehmensstrukturen (Matrixorganisationen, modulare Unternehmen etc.) als auch für Produktionsprozesse entlang der Wertschöpfungsketten. Abhängig Beschäftigte arbeiten weltweit zusammen und geraten zugleich in zunehmende gegenseitige Konkurrenz um Arbeit. Denn digitale Vernetzung und Cloud-Infrastrukturen ermöglichen, dass Arbeit und Dienstleistungen nicht mehr nur am Unternehmensstandort erbracht werden müssen. So werden Ort und Zeit der Leistungserbringung hochflexibel – womöglich die wichtigste Veränderung in der Arbeitswelt gegenwärtig. Zugleich ist bedeutsam, wer künftig die Hoheit und Verfügungsgewalt über die wachsenden Datenmengen hat. Wird es ein Unternehmen wie Google sein, das die Produzenten entlang der Wertschöpfungskette steuert? Oder noch ein produzierender Konzern, der seine Zulieferer und Dienstleister selbst organisiert und seine Kernkompetenzen klar definiert? Denn auch der industrielle Kernbetrieb wandelt sich: Immer weniger Arbeit wird in einem einheitlich und zentral organisierten Betrieb geleistet. Hinzu kommen pseudo-selbstständige Arbeitsverhältnisse, sogenannte Plattformökonomien, und nur lose verkoppelte selbstständige betriebliche Einheiten. Unternehmen lagern Arbeit an Werkverträge aus, obwohl sie womöglich damit Kernkompetenzen outsourcen – mit weitreichenden Folgen für ihre eigene Existenz. So werden systematisch Veränderungen in komplexen Wertschöpfungsprozessen und Unternehmensstrategien vorangetrieben.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2015): Grünbuch Arbeiten 4.0

Stellungnahme der Hans-Böckler-Stiftung zum Grünbuch Arbeiten 4.0

Ittermann, Peter/Niehaus, Jonathan/ Hirsch-Kreinsen, Hartmut (2015): Arbeiten in der Industrie 4.0, Dortmund.

Kraft, Andreas (2015): Zu Besuch in der digitalen Fabrik, in: Mitbestimmung 1+2/2015,

Pfeiffer, Sabine (2015): Im Interview mit Detlef Wetzel, in: Wetzel, Detlef (2015): Arbeiten 4.0, Freiburg, S. 28–44.

Hirsch-Kreinsen, Hartmut (2014): Welche Auswirkungen hat „Industrie 4.0“ auf die Arbeitswelt?, WISO direkt, Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.)

Manuela Maschke


aktualisiert am 20.09.2016