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Gute Praxis

Generationenwechsel im Betriebsrat

Darum geht's

Bereits heute schlägt sich der demografische Wandel in den Altersstrukturen vieler Unternehmen nieder: das Durchschnittsalter der Beschäftigen wird immer höher. Die volle Wirkung des demografischen Wandels wird sich jedoch erst im kommenden Jahrzehnt entfalten, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Unternehmen werden mit mehreren Herausforderungen konfrontiert: frei werdende Stellen mit qualifizierten Menschen nach zu besetzen und den Wissenstransfer zwischen den Generationen rechtzeitig einzuleiten.

Auch für Betriebsräte selbst wird es ein drängendes Thema. Denn auch sie werden immer älter: die Hälfte der Betriebsratsmitglieder ist im vorgerückten Alter von 46-59 Jahre (Greifenstein/Kißler 2014, Wen Betriebsräte repräsentieren). Durch die bevorstehende Welle von Altersabgängen in den Betriebsratswahljahren 2018 und 2022 droht der Verlust von Kontinuität und langjährig erworbenem Erfahrungswissen.

Gibt es Maßnahmen und Methoden um den Generationenwandel im Betriebsrat gut zu bewältigen? Um diese Frage zu beantworten, wurden alle Projekte in den Blick genommen, die bislang von Betriebsräten beim „Deutschen Betriebsrätepreis“ eingereicht worden waren und sich mit dem Thema Generationenwechsel und Wissenstransfer im BR befassten. In Interviews mit den Beteiligten konnten der aktuelle Stand, die nachhaltige Wirkung, Hintergründe und betriebliche Strukturen erfragt werden. Am Ende entstanden Porträts von Betriebsräten aus sechs Unternehmen mit spannenden Antworten und Lösungen. Allen beteiligten Akteuren danken wir an dieser Stelle sehr herzlich für ihre Bereitschaft und Zeit!

Ergänzt werden die Ergebnisse um ein Experteninterview mit Britta Bertermann, ehemalige Wissenschaftlerin an der TU Dortmund. Sie arbeitete u.a. an der Frage auf welchen unterschiedlichen Wegen Wissenstransfer in Betriebsratsgremien stattfinden kann. Ein Ergebnis der Arbeit war der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Werkzeugkasten für Betriebsräte, dessen Umsetzung mit Betriebsräten erprobt ist.

Viele Betriebsräte schilderten, dass die Anforderungen an die Betriebsratstätigkeit im letzten Jahrzehnt zugenommen haben. Aufgabenbereiche der Betriebsräte sind komplexer geworden, erfordern gleichzeitig hohes Fachwissen und vielfältige außerfachliche Kompetenzen. Um zukünftig Entwicklungsprozesse aktiv mitgestalten zu können, ist ein Aufbau von Qualifikationen erforderlich. Diese Aufgabe wird besonders neuen Betriebsratsgenerationen zukommen.

Die Beispiele sind Antworten auf die Frage: Gibt es Maßnahmen und Methoden um den Generationenwandel im Betriebsrat gut zu bewältigen? In den Projekten sind Maßnahmen zu finden, die auf den Erwerb von fachlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen abzielen:

  • Systematische Erfassung von Qualifikations- und Kompetenzstrukturen
  • Ist- und Sollanalysen über Fachwissen und Fähigkeit
  • Jährlich stattfindende Qualifizierungs- und Kompetenzentwicklungsgespräche

Aus den Diskussionen lässt sich ableiten, dass zukünftiger Wissenstransfer nicht nur auf Weitergabe von langjährigem Wissen beschränkt ist, sondern Transfer von aktuellem Fachwissen in einem breiten Kompetenzfeld beinhaltet. Die Debatten um Wissenstransfer in den Gremien haben gezeigt, dass die Weitergabe von erfahrungsbasiertem Wissen eine essentielle, aber nicht die einzige Aufgabe der Zukunft sein wird. Im Sinne einer Befähigung von Betriebsräten ist der Aufbau von Fachwissen in Kombination mit vielfältigen überfachlichen Kompetenzen eine genauso große Aufgabe.

Ob zur Sicherung von Erfahrungswissen, Einarbeitung neuer Mitglieder und zur besseren Nutzung von vorhandenem Wissen: Der Werkzeugkasten stellt Instrumente und Methoden vor, um den Wissensaustausch im eigenen Gremium zielgerichtet zu gestalten.

Julia MassolleClaudia Niewerth

aktualisiert am 17.09.2018