EU-Abschlussprüfungsreform – worum geht es?

Die gesetzlichen Regelungen über die Rechnungslegung („Jahresabschluss“) und Prüfung („Abschlussprüfung“) deutscher Unternehmen basieren auf europäischen Richtlinien. Im April 2014 wurden die europäischen Regelungen über die Abschlussprüfung neugefasst. Das „Gesamtpaket der Abschlussprüfungsreform“ – bestehend aus einer EU-Verordnung und nationalen Gesetzesänderungen (in Deutschland v.a. des Aktiengesetzes, des Handelsgesetzbuchs und der Wirtschaftsprüferordnung) betrifft nicht nur die künftige Arbeit der Wirtschaftsprüfer. Da der Abschlussprüfer im System der Unternehmensüberwachung gewissermaßen das Hilfsorgan des Aufsichtsrats ist, zielen die Neuregelungen in besonderem Maße auch auf die Aufgaben des Aufsichtsrats (und des Prüfungsausschusses) im Zusammenhang mit der Prüfung des Jahres- und Konzernabschlusses ab.

Die neuen Vorschriften haben teilweise unterschiedliche „Zielgruppen“:

  • Die EU-Verordnung gilt ab dem 17.06.2016 verbindlich für alle „Unternehmen von öffentlichem Interesse“ in der EU.
  • Darüber hinaus sind die für alle deutschen Unternehmen geltenden Vorschriften – v.a. des Aktiengesetzes und des Handelsgesetzbuchs – ebenfalls bis spätestens zum 17.06.2016 an den neuen europäischen Rechtsrahmen anzupassen.

Die Neuerungen werden die Aufsichtsräte vor erhebliche Herausforderungen stellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Pflichten des Aufsichtsrats im Zusammenhang mit der Prüfung des Jahresabschlusses künftig nicht nur nach der Rechtsform und dem anzuwendenden Mitbestimmungsrecht unterscheiden. Die „Unternehmen von öffentlichem Interesse“ haben nämlich – unabhängig von ihrer Rechtsform – auch die Vorschriften der EU-Verordnung zwingend zu beachten. In der Praxis führt dies zu einer Vielzahl möglicher Fallkonstellationen:

  • Unternehmen von öffentlichem Interesse (ja / nein)
  • Rechtsform
  • Anzuwendendes Mitbestimmungsrecht

Um künftig die jeweils anzuwendende Rechtslage zu bestimmen, hat der Aufsichtsrat „sein“ Unternehmen einer der möglichen Kombinationen zuzuordnen.

Eine Übersicht der 14 praxisrelevanten Fallkonstellationen mit Ablaufplänen (pdf) findet sich auf Themenkarte 9. Die Abschlussprüfung in einer Aktiengesellschaft (PIE) mit mitbestimmtem Aufsichtsrat wird zudem in einem separaten Themenkartenstapel behandelt.

Arno Prangenberg


aktualisiert am 28.06.2016