Für welche Unternehmen gilt die Geschlechterquote?

Mitbestimmung nach dem 1976er-Gesetz

Ab 2016 müssen börsennotierte und gleichzeitig paritätisch bzw. quasi-paritätisch mitbestimmte Unternehmen eine feste, gesetzlich verpflichtende Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent Frauen bzw. Männern im Aufsichtsrat erfüllen.

Montanmitbestimmungsgesetz

Dies gilt für börsennotierte Unternehmen, die dem „Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer (MitbestG)“ unterliegen, dem „Montan-Mitbestimmungsgesetz (MontanMitbestG)“ oder dem „Montan-Mitbestimmungsergänzungsgesetz (MontanMitbestErgG)“.

Drittelbeteiligungs-Modell

106 deutsche Unternehmen sind davon betroffen, meist Aktiengesellschaften (AG) oder Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA) mit in der Regel mehr als 2.000 Beschäftigten, Unternehmen in der Rechtsform der SE mit paritätisch besetzten Aufsichtsorgan, oder Unternehmen, die durch grenzüberschreitende Verschmelzung entstanden sind und dem MgVG unterliegen. Eine Übersicht bietet der MBF Report (Nr. 12/2015, S. 7).

Darüber hinaus müssen Unternehmen, die börsennotiert oder mitbestimmungspflichtig sind, bis zum 30.9.2015 selbstdefinierte Zielgrößen und Fristen zur Erhöhung des Frauenanteils festlegen. Diese sollen bis zum 30.6.2017 erreicht werden. Dabei handelt es sich um börsennotierte Unternehmen, in deren Aufsichtsrat keine Arbeitnehmervertreter sitzen bzw. gemäß Drittelbeteiligungs-Modell ein Drittel der Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmerbank zuzurechnen sind (mögliche Rechtsformen: AG, KGaA oder SE). 

Außerdem kann es sich um nicht börsennotierte Unternehmen handeln, die jedoch aufgrund ihrer Beschäftigtenzahl mitbestimmungspflichtig sind: beispielsweise Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH), eingetragene Genossenschaften (eG) oder Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG).

Die Zielgrößen sind nicht vorgegeben – jedes Unternehmen legt die Zielgrößen für die einzelnen Ebenen und Organe in Höhe und Frist selbst fest: für den Aufsichtsrat, den Vorstand sowie für die beiden obersten Führungsebenen (unterhalb des Vorstandes). Dies gilt für GmbHs, Aktiengesellschaften (AG), Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA), eingetragene Genossenschaften (eG), Europäische Gesellschaften (SE) und Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG), die entweder börsennotiert oder mitbestimmt sind. Nach Schätzungen von Prof. Walter Bayer (Universität Jena) trifft dies auf rund 2.500 Unternehmen in Deutschland zu; der BDI geht von ca. 2.800 Unternehmen aus, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sogar von 3.500 Unternehmen.

Eine schnelle Übersicht darüber, in welchen Fällen die gesetzliche 30-Prozent-Geschlechterquote gilt und in welchen verbindliche Zielgrößen, bietet folgende Grafik.

Übersicht gesetzliche 30%-Geschlechterquote

Svenja PfahlStefan ReuyßSonja Weeber


aktualisiert am 21.09.2015