Mergers & Acquisitions: Welche Rolle spielt der Aufsichtsrat?

Illustration Fusionen und Übernahmen
© HBS - Illustration: Oliver Schillo

Der Begriff „Mergers & Acquisitions“ (M&A) bezeichnet alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Fusion und der Übernahme von Unternehmen – insbesondere den strategisch motivierten Kauf bzw. Zusammenschluss von Unternehmen oder Unternehmensteilen und deren anschließende Integration oder Weiterveräußerung. Damit geht eine Übertragung der Leitungs-, Kontroll- und Verfügungsbefugnisse einher. Eine M&A-Transaktion kann vielfältige Ausprägungsmöglichkeiten haben. Beispielsweise gilt es zu beantworten: Wie soll die Übernahme finanziert werden? Sollte dies durch einen Aktientausch geschehen? Oder eher durch einen Barkauf? Ist dies möglich, ohne Fremdkapital aufzunehmen? Handelt es sich bei dem Übernahmeobjekt um ein nationales Unternehmen? Oder geht es um eine grenzüberschreitende Transaktion? Weiterhin stellen sich die Fragen: Wer übernimmt das Unternehmen: Ein Finanzinvestor? Ein strategischer Investor? Geht es um Synergien? Wenn ja: Um welche? Wie sollen diese genutzt werden?

Unternehmenskäufe und Fusionen werden zwar meist durch den Vorstand angestoßen und verwirklicht. Doch der Aufsichtsrat bewertet ihre strategische Planung, Durchführung und Steuerung kritisch und begleitet sie. Angesichts der wissenschaftlich nachgewiesenen hohen Misserfolgsquoten vieler Unternehmenszusammenschlüsse gehört es im Extremfall sogar zu den Aufgaben des Aufsichtsrates, eine geplante Transaktion abzulehnen.

Im Rahmen der Überwachungsaufgabe des Aufsichtsrats sind Unternehmenskäufe im Sinne von § 111 Abs. 4 Satz 2 AktG häufig zustimmungspflichtige Geschäfte – und zwar dann, wenn diese Geschäfte im Rahmen der Satzung oder durch Entscheidung des Aufsichtsrats in den Katalog der zustimmungspflichtigen Geschäfte aufgenommen wurden. Ob die jeweilige Transaktion der Zustimmung des Aufsichtsrats bedarf, kann dort an unterschiedlichen Kriterien festgemacht sein (z. B. Umfang des Deals überschreitet eine gewisse kritische Größe). Grundsätzlich gilt: Der Aufsichtsrat muss angesichts der Tragweite der zu treffenden Entscheidung mit allen Informationen versorgt sein, die für seine Entscheidung relevant sein können. Dabei stehen ihm unterschiedliche Wege offen, etwa die Prüfung einer erfolgten Due Diligence.

Tabelle 1 Ausprägungsmöglichkeiten von M&A-Transaktionen

Oliver Emons


aktualisiert am 03.05.2017