Hauptinhaltsbereich

Gute Praxis

Meine Zeit, mein Leben! - Arbeitszeitgestaltung

Mobiles Arbeiten im Konzern - Daimler AG

Der Gesamtbetriebsrat der Daimler AG involvierte die Belegschaft in ein umfassendes Beteiligungsprojekt zur mobilen Arbeit und setzte die Ergebnisse in einer Gesamtbetriebsvereinbarung um.

Mobiles Arbeiten für den Daimler Konzern
Die Gesamtbetriebsvereinbarung gilt für den überwiegenden Teil der Beschäftigten des Daimler-Konzerns. Wo die Arbeitsaufgabe mobiles Arbeiten zulässt, kann mobil gearbeitet werden. Die Quote liegt derzeit bei 17 Prozent.

Auf neuen Pfaden der Mitbestimmung
Den Startschuss für das Projekt gab eine Beschäftigtenbefragung der IG Metall (2013). Der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung und einer besseren Vereinbarung von Familie und Beruf im Umgang mit Arbeitszeiten war als Ergebnis klar erkennbar. Insbesondere zeigte sich dies bei den „neuen Beschäftigungsgruppen“ (jung, akademisch ausgebildet), die selten an Mitbestimmungsprozessen teilnehmen. Seitens des Betriebsrates und der Geschäftsführung bestand der Anspruch die Wünsche „ernst zu nehmen“ und in einem nachfolgendem Beteiligungsprojekt deutlicher zu identifizieren.

Der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung in der Arbeit und besserer Vereinbarung von Familie und Beruf wurde als klare Botschaft an den Betriebsrat formuliert.

Jörg Spies, Betriebsratsvorsitzender

Umsetzung des Beteiligungsprojekts
Dafür wurden breitflächig Fragebogen verteilt und Workshops in allen deutschen Standorten durchgeführt. Die hohe Beteiligung der „neuen Beschäftigtengruppe“ bestärkte den Betriebsrat in seiner Vorgehensweise. Die Ergebnisse beider Methoden flossen direkt in die Verhandlungen über die Gesamtbetriebsvereinbarung ein. Um die Transparenz hierum zu erhöhen, wurden Zwischenergebnisse regelmäßig im Intranet veröffentlicht. Während der Verhandlungen waren sowohl Unternehmensvertreter als auch Betriebsrat auf gegenseitige Rücksichtnahme bedacht. So wurden anfangs Rahmenbedingungen wie Arbeitszeitgesetz und tarifliche Regelungen behandelt, um davon ausgehend die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens zu diskutieren.

Während der Projektlaufzeit wurde zusätzlich eine Pilotphase durchgeführt, um Erfahrungen mit dem mobilen Arbeiten zu sammeln. Bevor die Vereinbarung final festgeschrieben werden sollte, wurden die Erfahrungen in einer weiteren Befragung erfasst. Auch hier war die Beteiligung außerordentlich hoch.

Nur aktive Einbindung sichert die neuen Beschäftigtengruppe für die Mitbestimmung.

Jörg Spies, Betriebsratsvorsitzender

Mehr als ein Anspruch – Recht auf mobiles Arbeiten
Die umgesetzte Gesamtbetriebsvereinbarung enthält ein explizites Recht auf mobiles Arbeiten ohne Begründungszwang. Damit kann der Wunsch der Beschäftigten nicht einfach ausgeschlagen werden. Außerdem gibt es für den Umfang der mobilen Arbeit keine Höchstgrenze, und die Möglichkeit dazu kann von Montag bis Freitag stunden- oder tageweise in Anspruch genommen werden. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass mobiles Arbeiten auch stundenweise an Samstagen zugelassen ist. Dies kommt der bisherigen Realität der Beschäftigten laut Betriebsrat näher. Dahinter steht die Idee, dass zwischen Beschäftigten und Führungskräften eine vertrauensvolle Zusammenarbeit etabliert wird, bei der Führungskräfte lernen, ihren Mitarbeiter*innen Selbstbestimmung zuzugestehen. Dies setzt einen Kultur- und Führungswandel voraus. Im Zusammenhang hiermit räumt der Betriebsrat ein, dass vereinzelt Umsetzungsschwierigkeiten in der Praxis auftauchen.

Dass die Verbreitung der mobilen Arbeit nicht zu Mehrarbeit führt, zeigt ein Blick auf die Zeitkonten, die seitdem nicht angewachsen sind. Dafür hat sich jedoch die individuelle Verteilung der Arbeitszeit stark verändert. Ein Nachweis dafür, dass die Beschäftigten mit der neuen selbstbestimmten Flexibilität sehr gut umgehen.

Mobiles Arbeiten verbreitet sich mehr und mehr
Das Angebot, mobil zu arbeiten, wird mittlerweile von einem großen Teil der Belegschaft angenommen: Waren es im September 2016 durchschnittlich etwa sechs Wochenstunden pro Beschäftigten, sind es mittlerweile 12 Stunden, und der Anteil steigt weiter an. Das Angebot zum mobilen Arbeiten wird demnach sehr gut angenommen. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Beschäftigten nicht mehr vom Wohlwollen der Führungskräfte abhängig sind, sondern im Team selbst darüber bestimmen, ob und in welchem Umfang mobil gearbeitet wird. Somit wurde ein wichtiger Schritt in Richtung Vereinbarkeit von Familie und Beruf getan – und die bisherigen Möglichkeiten, etwa das Rückkehrrecht nach Teilzeit sowie Jobsharing-Konzepte auf Abteilungsleiterebene, um vor allen Dingen Frauen in Managementpositionen zu fördern, wurden weiter ausgebaut.

Fazit
Die Einführung der Betriebsvereinbarung „Mobiles Arbeiten“ bildet den Anfang eines Prozesses des Betriebsrats zur Umgestaltung der Unternehmens- und Arbeitskultur bei der Daimler AG. Durch das transparente Vorgehen hat es der Betriebsrat geschafft, sogar diejenigen Beschäftigten zu erreichen, welche bislang nicht in einer Gewerkschaft organisiert sind und sie in einen Beteiligungsprozess einzubinden Gleichzeitig konnte der Betriebsrat auf diese Weise für neue Beschäftigtengruppen attraktive Arbeitsplätze gestalten und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen.

Daimler AG: Gesamtbetriebsvereinbarung zu mobilem Arbeiten
Daimler AG: Gesamtbetriebsvereinbarung zu mobilem Arbeiten | © Julia Massolle

Jörg Spies
Betriebsratsvorsitzender (IGM)
Daimler Zentrale, Truck und Van Stuttgart
Mitglied des Gesamtbetriebsrats
HPC E603
70546 Stuttgart
Tel. +49 (0) 711 1733545
joerg.spies@daimler.com

Julia Massolle

aktualisiert am 09.04.2019