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Was steht drin, was muss ich beachten?

Die nichtfinanzielle Berichterstattung

Relevanz des Themas für Arbeitnehmervertretungen

ICON WZK NH  Nachhaltigkeitsberichtserstattung

Durch das 2017 in Kraft getretene „Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten“ (auch Corporate-Social-Responsibility [CSR]-Richtlinie-Umsetzungsgesetz, CSR-RUG) müssen bestimmte Unternehmen jährlich zu Aspekten der Nachhaltigkeit berichten. Die Berichterstattung erfolgt im Rahmen von sogenannten nichtfinanziellen Berichten oder nichtfinanziellen Erklärungen, die – ähnlich wie die schon länger existierenden Nachhaltigkeitsberichte – Auskunft über die Nachhaltigkeitsleistungen des Unternehmens geben. Die Regelungen des CSR-RUG lassen den Unternehmen bei der Berichterstattung viele Freiheiten. Dementsprechend sind die Inhalte der Erklärungen und Berichte breit gefächert und die Berichterstattung unterscheidet sich häufig zwischen den Unternehmen im Format, in den Berichtsinhalten und im Hinblick auf die Transparenz der veröffentlichten Informationen. Auch wenn sich eine einheitliche Berichterstattung (noch) nicht durchgesetzt hat, gibt es in der nichtfinanziellen Berichterstattung auch eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel nutzen viele Unternehmen ein Rahmenwerk, an dem sie sich bei der Erstellung der Berichte oder Erklärungen orientieren.

Auf Ebene der EU gibt es aktuell konkrete Vorschläge, dieses Rahmenwerk zu vereinheitlichen und verbindlich festzuschreiben (Richtlinienvorschlag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen, Stand April 2021). Außerdem berichten fast alle Unternehmen, wie es vom Gesetz nahegelegt wird, zu Umweltbelangen, Arbeitnehmerbelangen, Sozialbelangen, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie zu Diversity (leicht veränderter Adressatenkreis). Zugleich gibt es Aspekte, die in den Berichten und Erklärungen nur wenig Beachtung finden, obwohl eine Berichterstattung hierzu nach dem CSR-RUG erforderlich ist. Hierunter fallen zum Beispiel häufig die Darstellung von Due-Diligence-Prozessen (Prozessen der Sorgfaltspflicht) und Risiken im Bereich Nachhaltigkeit sowie die Ausrichtung der Nachhaltigkeitsstrategie auf die Vermeidung und Bekämpfung solcher Risiken. Dies ist auch deshalb wichtig, weil es ein wesentliches Ziel des CSR-RUG war, Stakeholdern – dazu gehören in erster Linie auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihre Vertreterinnen und Vertreter – relevante nichtfinanzielle Informationen zur Verfügung zu stellen, um das Unternehmen und seine Risiken beurteilen und bewerten zu können. Die nichtfinanzielle Berichtspflicht sollte zu einem erhöhten Bewusstsein für und einem besseren Verständnis von Risiken und Chancen innerhalb eines Unternehmens in Bezug auf Nachhaltigkeit beitragen und das Risikomanagement sowie eine sachkundigere Entscheidungsfindung und strategische Planung unterstützen.

Für Arbeitnehmervertretungen ist die nichtfinanzielle Berichterstattung auch aus einem anderen Grund interessant: Im Rahmen der nichtfinanziellen Berichterstattung und Berichtspflicht können konkrete Fragen und Anliegen der Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter zu arbeitnehmerrelevanten Nachhaltigkeitsthemen gezielt angesprochen und effektiv umgesetzt werden. Außerdem ist nicht zuletzt der gesamte Aufsichtsrat – und damit auch die Arbeitnehmerbank – nach dem CSR-RUG verpflichtet, den Inhalt der nichtfinanziellen Berichterstattung zu überprüfen, und haftet gegebenenfalls dafür.

Vor der Einführung des CSR-RUG haben sich die Arbeitnehmervertretungen in den Aufsichtsräten oder Betriebsräten kaum mit der Berichterstattung von Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Während die unternehmerische gesellschaftliche Nachhaltigkeit vielfältige Anknüpfungspunkte zur Arbeit der Arbeitnehmervertretungen bietet (Beile/Vitols 2018), wurde die Berichterstattung selten als Hebel erkannt, Arbeitnehmerinteressen durchzusetzen. Analysen über die Auswirkungen der Berichtspflicht auf die Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen und die Mitbestimmung zeigen allerdings, dass die Berichterstattung durchaus einen Mehrwert hat (Prangenberg u. a. 2020). So wird aufgrund der Berichtspflicht das Thema Nachhaltigkeit nun intensiver in den Aufsichtsräten diskutiert und es gibt eine systematische Auseinandersetzung mit den Inhalten der nichtfinanziellen Berichterstattung. In einigen Unternehmen gewinnen außerdem bestimmte Aspekte von Nachhaltigkeit an Bedeutung, die zuvor kaum eine Rolle gespielt haben. Dazu zählen oftmals die Themen Diversity (Vielfalt und Chancengleichheit) oder auch die Achtung der Menschenrechte. In der Regel wird die nichtfinanzielle Berichterstattung dem Aufsichtsrat vor Veröffentlichung zur Einsicht und Kommentierung zur Verfügung gestellt. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat kann durch Veränderungsvorschläge darauf hinwirken, dass wichtige Arbeitnehmerfragen in der Berichterstattung Erwähnung finden oder ihnen mehr Bedeutung beigemessen wird. Eine Veröffentlichung von Zielkennzahlen in der Berichterstattung erzeugt zudem einen gewissen Druck, die Zielvorgaben einzuhalten. Auch Fortschritte in verschiedenen Themenfeldern können durch eine regelmäßige Berichterstattung verfolgt werden. Außerdem muss sich das Management eventuellen Diskrepanzen zwischen Anspruch in der Berichterstattung und Wirklichkeit im Unternehmenshandeln stellen.

Dieses Modul des Nachhaltigkeitskompasses führt durch die nichtfinanzielle Berichterstattung von Unternehmen. Es wird danach gefragt, welche Informationen in den nichtfinanziellen Berichten und Erklärungen enthalten sind, wo diese zu finden sind und wie sie verstanden werden können. Das Modul richtet sich an Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter, die bisher eher wenig Erfahrungen mit der Berichterstattung zu Nachhaltigkeitsthemen gesammelt haben. Ziel ist es, die Inhalte einer nichtfinanziellen Erklärung oder eines nichtfinanziellen Berichts verständlich zu machen, sodass Arbeitnehmervertretungen in einen konstruktiven Dialog treten und die Inhalte in ihrem Sinnen nutzen oder beeinflussen können.

Dr. Katrin Vitols

aktualisiert am 12.04.2022