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Gute Praxis

Meine Zeit, mein Leben! - Arbeitszeitgestaltung

Teilzeit im Außendienst - Bayer Vital

Der Betriebsrat der Bayer Vital machte sich für ein Teilzeitmodell im Außendienst stark.

Das Unternehmen
Bayer Vital ist als Tochterunternehmen des Bayer-Konzerns für den deutschlandweiten Vertrieb von Healthcare-Produkten zuständig. Im Innen- und Außendienst arbeiten rund 1.400 Personen.

Eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf als Ausgangsmotivation
Das Projekt Teilzeit im Außendienst wurde mit dem Deutschen Betriebsrätepreis in der Kategorie „Arbeitszeitgestaltung“ ausgezeichnet. Die Ursprünge des Projektes liegen viele Jahre zurück. Damals wurde der Betriebsrat mit einer Reihe von Beschwerden über die Arbeitszeitmodelle konfrontiert, die eine Vereinbarung von Familie und Beruf erschwerten. Vor allem Frauen verließen oftmals aus Mangel an Alternativen das Unternehmen. Auch wirkte sich die hohe Belastung von Beruf und Familie auf die Gesundheit der Beschäftigten aus, was in einigen Fällen Langzeiterkrankungen zur Folge hatte. Die Beschwerden, die erkennbare Unzufriedenheit sowie der Abgang vieler qualifizierter Beschäftigter waren für den damaligen Betriebsrat Auslöser, sich grundlegend mit den Bedürfnissen der Beschäftigten auseinanderzusetzen.

Klar war: Wir haben hier ein to-do. Wir müssen was unternehmen. Aber wir müssen erstmal erfahren, was wir anpacken sollen. Was sind die Probleme, wer hat welchen Bedarf und wie sehen die dahinter stehenden Lösungen aus?

Michael Westmeier, Betriebsratsvorsitzender

Teilzeit im Außendienst als deutlicher Wunsch
Ein deutliches Bild über die Wünsche lieferte eine Umfrage: so sollte Teilzeit im Außendienst ermöglicht werden. Die Umsetzung eines entsprechenden Modells wurde vor allem durch die ablehnende Haltung des Arbeitgebers erschwert. Begründet wurde dies mit einem erwarteten Kostenanstieg sowie mit dem Aufbau der Vertriebsstruktur: Ganz Deutschland sei in Abhängigkeit von den örtlichen Strukturen in Außendienstgebiete unterteilt und diese seien so gewählt, dass ein Vollzeitbeschäftigter sie bedienen könne. Würde nun ein Beschäftigter den Stundenanteil reduzieren, wäre nicht mehr das komplette Gebiet abgedeckt, weswegen die Grenzen der umliegenden Gebiete verschoben werden müssten – ein zu großer Aufwand bei schätzungsweise 700 Außendienstgebieten.

Das Unternehmen hat klar und deutlich gesagt: „Teilzeit im Außendienst gibt es nicht.“ Das geht natürlich an der Lebenswirklichkeit der Beschäftigten vorbei.

Michael Westmeier, Betriebsratsvorsitzender

Erarbeitete Lösung wird sehr gut angenommen
Erst nach einem Geschäftsführerwechsel fand der Betriebsrat Unterstützung. In mehreren Workshops wurde ein beidseitiger Kompromiss erarbeitet, bei dem der Betriebsrat der Außendienststruktur gefolgt ist und der Arbeitgeber einer flexibleren Gestaltung von Vollzeitarbeitsplätzen zugestimmt hat. Beschäftigte können nun über eine Dauer von drei Jahren Teilzeit in Anspruch nehmen. Dabei werden nicht die Stundenzahl pro Arbeitstag, sondern die Arbeitstage pro Woche reduziert. Die restliche freie Arbeitszeit übernimmt in einem Jobsharing-Modell entweder ein anderer Beschäftigter oder ein Leiharbeitnehmer. Da das Teilzeitmodell nicht zu Lasten von Leiharbeitnehmern gelebt werden sollte, wird der Leiharbeitnehmer für ein Jahr befristet übernommen.

Alle waren begeistert. Tolles Programm, tolles Modell. Funktioniert in der Praxis, ist ein bisschen Aufwand für die Vorgesetzten, weil sie mehr Leute zu führen haben, ansonsten alles überschaubar und alle waren zufrieden.

Michael Westmeier, Betriebsratsvorsitzender

Der Betriebsrat zeigt sich durchweg zufrieden mit dem heutigen Modell. Bis zu 30 Teilzeitpärchen gleichzeitig haben das Modell bislang in Anspruch genommen.

Daran kann man halt erkennen, dass das System funktioniert. Dieses Arbeitszeitmodell wird angenommen. Es unterliegt einer gewissen Schwankung, wobei es tendenziell nach oben gegangen ist.

Michael Westmeier, Betriebsratsvorsitzender

Weitere Entwicklung des Teilzeitmodells
Bislang haben vorwiegend Frauen die Teilzeit genutzt. Der Betriebsrat erwartet, der Anteil der Männer werde sich zukünftig steigern. Begründet wird dies mit den aufbrechenden Rollenmustern und mit einer veränderten Zielgruppe: den Beschäftigten, die vor dem Renteneintritt stehen. Im Vergleich zu branchenähnlichen Unternehmen hat Bayer Vital ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Zwar gibt es Teilzeitmodelle auch in anderen Unternehmen, die Festhaltung der Regelungen in einer Betriebsvereinbarung ist jedoch einzigartig. In direkter Konkurrenz um qualifiziertes Personal hat Bayer Vital dadurch einen Vorteil.

Für die Zukunft rechnet der Betriebsrat mit einem Ausbau von flexiblen bzw. mobilen Arbeitsformen, insbesondere im Außendienst, wo die Arbeit mit digitalen Tools zunimmt. Eine Herausforderung sei es, gute Regelungen zu vereinbaren, um Beschäftigten neue Möglichkeiten in der Arbeitszeitgestaltung einzuräumen und zugleich die Freizeit zu schützen.

Fazit: Arbeitszeitmodelle eng an Wünschen der Beschäftigten ausgerichtet
Bayer Vital hat einen Weg eingeschlagen, der eine flexiblere, an die Bedarfe der Beschäftigten orientierte Gestaltung von Arbeitszeit ermöglicht. Zur strategischen Orientierung war eine anfängliche Befragung sehr hilfreich. Mit der Teilzeit im Außendienst wurde die Möglichkeit einer flexibleren Gestaltung auch auf den Außendienst erweitert. Zu betonen ist dabei, dass dies nur aufgrund der über Jahre anhaltenden Hartnäckigkeit des Betriebsrates möglich war. Es wurde eine Lösung erarbeitet, die eine Integration in den starren Strukturen des Außendienstes zulässt. Die Auszeichnung mit dem Sonderpreis unterstreicht das innovative Vorgehen sowie die Besonderheit dieser Betriebsvereinbarung. Betriebsintern hat die Auszeichnung für viel Aufmerksamkeit beim Arbeitgeber und unter den Beschäftigten gesorgt. Für den Betriebsrat ist dies motivierend, weiterhin gesetzte Ziele mit eigenen Ambitionen und Ideen zu verfolgen.

Bayer Vital: Neues Denken in alten Strukturen - Teilzeit im Außendienst
Bayer Vital: Neues Denken in alten Strukturen - Teilzeit im Außendienst | © Julia Massolle
Michael Westmeier

Michael Westmeier
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Tel. +49 (0) 214 3051164
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Julia Massolle

aktualisiert am 09.04.2019