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Institutsvergütungsverordnung

Vorstandsvergütung in Banken

Hintergründe und Rahmenbedingungen

Icon Vorstandsvergütung Banken

Die Finanzmarktkrise 2008/2009 hat weltweit erhebliche Verwerfungen an den Finanzmärkten und im Nachgang in den Realwirtschaften ausgelöst. Unmittelbar nach Beginn hat diese Krise bei den Regierungen zu der Einschätzung geführt, dass die Vergütungssysteme in Banken den globalen Abschwung zumindest begünstigt, wenn nicht sogar hervorgerufen haben. Die Kritik lautete, dass Vergütungen häufig einseitig auf kurzfristige Erfolge ausgerichtet sind, ohne jedoch entsprechende Risiken und Misserfolge ausreichend zu berücksichtigen. Diese Kritik manifestierte das Financial Stability Board (FSB) in den „Principles for Sound Compensation Practices“ vom April 2009 und den zugehörigen „Implementation Standards“ vom September 2009, worin Vorgaben bzw. Prinzipien entwickelt wurden, wie Vergütungssysteme den langfristigen Erfolg eines Finanzinstituts fördern – oder zumindest nicht behindern – könnten.

Ziel der politischen und regulatorischen Bemühungen auf nationaler und supranationaler Ebene ist seither die Ausrichtung der Vergütung am langfristigen – also nachhaltigen – Erfolg der Institute, um so mittelbar die aus dem Bankensektor entstehenden Risiken für die volkwirtschaftliche Entwicklung zu reduzieren. Insbesondere die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten haben in Folge der Krise und der Vorschläge des FSB umfangreiche Regelwerke verabschiedet, die – mittelbar oder unmittelbar – deutliche Auswirkungen auf die Vergütung in Finanzinstituten haben.

Der zunehmende Fokus auf insbesondere variable Vergütung ist jedoch nicht nur der Finanzindustrie vorbehalten. Auch die Vergütung in börsennotierten Aktiengesellschaften außerhalb dieser Branche steht seit der Finanzmarktkrise unter erhöhter Beobachtung durch den Gesetzgeber. Gerade für Banken und Finanzdienstleister, die als Aktiengesellschaft firmieren und ggf. börsennotiert sind, ergeben sich dadurch weitere rechtliche Vorgaben, die es zu beachten gilt.

Das vorliegende Modul zielt darauf ab, Aufsichtsräte von börsennotierten und nicht börsennotierten Banken auf ihre vergütungsbezogenen Aufgaben in diesen Instituten vorzubereiten. Aufgrund des Umfangs regulatorischer Anforderungen kann dieses Modul jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellen. Vielmehr sollen Aufsichtsräte einen Überblick über die wichtigsten regulatorisch relevanten Aspekte der Vorstandsvergütung erhalten, um so etwaige Anpassungsbedarfe in den von ihnen kontrollierten Unternehmen zu identifizieren bzw. um von Seiten Dritter an sie herangetragene Anpassungsmöglichkeiten kritisch zu würdigen und damit ihr Mandat im Sinne der Arbeitnehmer auszufüllen.

Petra Knab-HägeleIsabel Jahn

aktualisiert am 12.08.2020