Warum ist strategische Personalplanung auch für die betriebliche Mitbestimmung so aktuell?

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In der Vergangenheit war Personalplanung für betriebliche Interessenvertretungen eher ein reaktives Thema, meist beschränkt auf das Einfordern der betriebsverfassungsrechtlichen Informationsrechte. Heute müssen sich Betriebsräte zunehmend in die Personalarbeit einschalten, um Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern und die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten attraktiv zu gestalten. Eine akkurate Personalplanung ist mit beinahe allen relevanten arbeitspolitischen Themen verknüpft, etwa Demografie, Flexibilisierung, Qualifizierung und Gesundheitsschutz. Sie leistet demnach nicht nur einen Beitrag zur Standort- und damit Beschäftigungssicherung, sondern dient als wesentliche Stellschraube, um die Interessen der Beschäftigten mit den wirtschaftlichen Anforderungen des Betriebes in Übereinstimmung zu bringen. Die Personalplanung bildet somit eine der wichtigsten Grundlagen guter Arbeit. Auch Arbeitgeber erkennen an, dass das Personal entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Betrieben und dass Betriebsräte an dieser Stelle wertvolle Arbeit leisten können. Denn die Einbeziehung von Betriebsräten trägt zur Versachlichung und Verstetigung der Personalpolitik bei.

Insbesondere mittelständische Industrieunternehmen stehen aktuell vor einer großen Herausforderung: Sie müssen sich aus relativ gesicherten Positionen in gesättigten Märkten heraus strategisch neu positionieren auf neu entstehenden Wachstumsmärkten im globalen Wettbewerb (Stichwort: Industrie 4.0) – und dies unter den Bedingungen einer sich drastisch verändernden Arbeitswelt (Stichworte: Wertewandel, Demografie). Die Bewältigung dieser strategischen Herausforderung ist für die betroffenen Unternehmen und damit auch für deren Mitarbeiter mit vielfältigen arbeits- und personalpolitischen Veränderungen und Risiken verbunden: Die Sicherheit von Arbeitsplätzen wird in Frage gestellt, traditionelle Qualifikationsanforderungen und -profile stehen zur Disposition. Der Prozess der Wertschöpfung, die konkreten Arbeitsbedingungen und auch die Funktionslogik von Organisationen verändern sich. Die betriebliche Mitbestimmung muss die Interessen der Beschäftigten zunehmend auch auf der Ebene der Unternehmensstrategie, der Unternehmensplanung und der Personalplanung vertreten.

Jan GiertzMarlies Kuchenbecker


aktualisiert am 29.11.2017