Was ist Aktionärs-Aktivismus?

Bei Aktionärs-Aktivismus (engl. shareholder activism) handelt es sich zunächst um einen nicht klar definierten, erst recht nicht gesetzlich normierten Begriff. Vielmehr wird versucht, ein bestimmtes Tätigwerden von (Minderheits-)Aktionären zu beschreiben. So zielen aktivistische Aktionäre darauf ab, die Zielgesellschaft aktiv zu kontrollieren und zu beeinflussen. Sie pflegen dabei einen ständigen Dialog mit der Geschäftsleitung und nutzen Aktionärsrechte einschließlich des Stimmrechts, um (nicht notwendigerweise) kurzfristig eine entsprechende Rendite ihrer Beteiligung zu erzielen. Der Begriff Aktionärs-Aktivismus gehört seit Mitte der 1990er Jahre zum Alltag des angelsächsischen Kapitalmarkts. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht steht er in Zusammenhang mit dem Prinzipal-Agenten-Modell: dem Interessenkonflikt zwischen Management und Anteilseignern.

In Deutschland wurde diese Form des Verhaltens von Aktionären im Jahr 2005 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: durch den Konflikt zwischen der Anteilseigner-Seite und der Unternehmensführung der Deutschen Börse AG über deren Ausrichtung. In jüngerer Vergangenheit traten vermehrt Fälle von Shareholder-Aktivismus bei einer Reihe bekannter deutscher Unternehmen auf:

  • Volkswagen AG: Im Nachgang des Dieselskandals fordert der US-amerikanische Hedge-Fonds TCI („The Children's Investment Fund") einschneidende Veränderungen im Konzern (Abzug der Vertreter des Landes Niedersachsen aus dem Aufsichtsrat, Verkauf der Töchter Bentley, MAN und Bugatti, Abbau von 4-5 % der Belegschaft).
  • Bilfinger SE: Der schwedische Investor Cevian trieb seit 2011 personelle Wechsel im Vorstand und Aufsichtsrat und in letzter Konsequenz die Abspaltung des Geschäftsbereichs Bau- und Immobilienservices voran.
  • E.On SE: Der US-amerikanische Hedge-Fonds Knight Vinke drängt auf die Abspaltung der regionalen Strom- und Gasnetze, um aus den Erlösen die Einzahlungen in den staatlichen Atomfonds zu bezahlen.
  • STADA Arzneimittel AG: Der Investor Active Ownership Capital betreibt u. a. die Neubesetzung der Anteilseigner-Bank des Aufsichtsrats und den Austausch der bisherigen vinkulierten Namensaktien des Unternehmens durch normale Namensaktien. Letztes erleichterte die spätere Übernahme des Unternehmens durch die Private-Equity-Investoren Bain und Cinven.

Martin GöhlerAlexander Sekanina


aktualisiert am 04.07.2018