Was ist eine Transfergesellschaft?

Illustration Transfergesellschaft
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Strukturwandel und einzelbetriebliche Unternehmenskrisen führen regelmäßig zu Restrukturierungen und massiven Entlassungen in Unternehmen. Für die Beschäftigten ist der Stellenverlust unmittelbar mit erheblichen materiellen sowie psychosozialen Risiken verbunden. Viele befürchten angesichts der unsicheren beruflichen Zukunft den sozialen Abstieg aus ihrem bisherigen Berufsleben.

Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder in angemessene Beschäftigung zu bringen und Arbeitslosigkeit zu vermeiden, bietet das Arbeitsförderungsrecht mit den Instrumenten des Beschäftigtentransfers gute Alternativen: Betriebsräte und Arbeitgeber haben die Möglichkeit, eine Transfergesellschaft oder eine Transferagentur einzurichten. Das größere dieser Instrumente, die Transfergesellschaft, besteht aus professioneller Beratung und Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Stelle. Sie schafft Qualifizierungsmöglichkeiten und baut verschiedene Brücken in den Arbeitsmarkt. Die Beschäftigten gehen dazu mit dem Anbieter der Transfermaßnahmen ein befristetes Arbeitsverhältnis ein, das von der Bundesagentur für Arbeit für maximal 12 Monate unterstützt wird. Das kleinere Instrument, die Transferagentur, kann kurzfristig eingerichtet werden. Sie findet während der Kündigungsfrist statt und bietet primär Unterstützung und Beratung bei der Stellensuche und bei Bewerbungen. Beide Instrumente werden oftmals miteinander kombiniert.

Für Betriebsräte, die sich erstmals mit Personalabbau auseinandersetzen müssen, ist die Einrichtung einer Transfergesellschaft in einer ohnehin schwierigen Phase nicht leicht. Die Kernfrage, die sie sich stellen müssen, lautet: Sollen die betroffenen Beschäftigten neben der Abfindung eine arbeitsmarktpolitische Absicherung erhalten, die großteils aus dem Sozialplan finanziert werden muss?

Gernot Mühge


aktualisiert am 31.01.2017