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Soziale Rechte weltweit sichern

Globale Rahmenvereinbarungen (GRV)

Was sind Globale Rahmenvereinbarungen?

Icon Nachhaltigkeit - Globale Rahmenvereinbarung

Globale Rahmenvereinbarungen (GRV; auch „Globale Rahmenabkommen“, GRA; engl.: „Global Framework Agreements“, GFA) sind ein Instrument der Gewerkschaftsverbände, um grundlegende Organisations-, Sozial- und Arbeitnehmerrechte auf nationaler, europäischer und weltweiter Ebene durchzusetzen.

GRV werden zwischen der Konzernleitung multinationaler Unternehmen einerseits sowie mindestens einem globalen Gewerkschaftsverband und der entsprechenden Branchengewerkschaft an den Standorten der Konzernzentralen andererseits ausgehandelt. Anders als freiwillige Selbstverpflichtungen und Initiativen im Rahmen sogenannter Corporate-Social-Responsibility (CSR)-Aktivitäten haben GRV einen verbindlichen Charakter.

Globale Gewerkschaftsverbände (engl.: „Global Union Federations“, GUFs)

sind die internationalen Zusammenschlüsse von nationalen Branchengewerkschaften. Es gibt neun globale Gewerkschaftsverbände, die zumeist verschiedene Branchen vereinigen:

  • Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI)/Building and Wood Workers International (BWI) 
  • Bildungsinternationale (BI)/Education International (EI) 
  • IndustriALL Global Union
  • Internationale Allianz für Kunst und Unterhaltung/International Arts and Entertainment Alliance (IAEA)
  • Internationale der Öffentlichen Dienste (IÖD)/Public Services International (PSI) 
  • Internationale Gewerkschaft der Nahrungsmittelarbeiter/International Union of Food, Agricultural, Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and Allied Workers’ Associations (IUF) 
  • Internationale Journalisten-Föderation (IJF)/ International Federation of Journalists (IFJ) 
  • Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF)/International Transport Workers’ Federation (ITF) 
  • Föderation der privaten Dienstleister/UNI Global Union (UNI) 

Der größte globale Gewerkschaftsverband ist IndustriAll Global Union. Er vereint nationale Gewerkschaften aus verschiedenen Industriesektoren, aus Deutschland zum Beispiel die IG Metall und die IG Bergbau, Chemie, Energie.

Entscheidend ist, dass die in der GRV vereinbarten Grundsätze weltweit an allen Standorten des Unternehmens gleichermaßen gelten und auch Subunternehmen und Zulieferer verpflichten, die Standards zu übernehmen. Das gilt unabhängig davon, ob diese Standards auch in dem jeweiligen Land gelten oder keine beziehungsweise schwächere gesetzliche Regelungen existieren.

Um diesen theoretischen Ansatz auch in der Praxis umzusetzen, sind Gewerkschaften, Arbeitnehmervertretungen und das Management auf globaler und nationaler Ebene gleichermaßen gefordert, wirkungsvolle Kommunikations- und Umsetzungsstrukturen zu schaffen.

Die Motivation des Managements ist es in der Regel, sich als verantwortungsvolles Unternehmen auszuweisen und Risiken innerhalb globaler Produktionszusammenhänge und Wertschöpfungsverbünde zu reduzieren. 

Für Gewerkschaften und Betriebsräte auf transnationaler wie nationaler Ebene sind GRV ein Instrument, um die Beschäftigteninteressen zu stärken, Vertretungsstrukturen der Belegschaften aufzubauen, Löhne und Arbeitsbedingungen zu verbessern und gleichzeitig bestehende Gefälle bei Lohn- und Arbeitsbedingungen abzubauen.

Europäische Rahmenvereinbarungen (ERV)

sind deutlich von Globalen Rahmenvereinbarungen abzugrenzen. Einerseits beschränkt sich der geografische Geltungsbereich auf Europa, andererseits bestehen erhebliche Unterschiede in den Regelungsschwerpunkten und der Regelungstiefe. Anders als bei den GRV gibt es bei Europäischen Rahmenvereinbarungen keine spezifischen Mindestanforderungen an die Regelungsinhalte. Diese Abkommen fokussieren in der Regel auf einheitliche Standards in Europa, etwa in Bezug auf Weiterbildung, Arbeits- und Gesundheitsschutz oder im Umgang mit Restrukturierungen und Entlassungen. 

Carola DittmannDr. Oliver EmonsWalter Vogt

aktualisiert am 17.03.2021