Was sind ReferentInnen?

Auch wenn der Begriff ReferentIn inzwischen eine hohe Popularität besitzt (gut zwei Drittel derartiger Stellenprofile tragen diese Bezeichnung, vgl. HBS 2016), ist die Bezeichnung StabsmitarbeiterIn aussagekräftiger und für eine definitorische Annäherung geeigneter. Diese erfolgt hier zunächst in allgemeinerem Sinne und wird dann auf die betriebsrätliche Arbeit übertragen.

Ein Stab definiert sich gemäß dem Gabler Wirtschaftslexikon als „Element der Aufbauorganisation; eine organisatorische Einheit, die nur indirekt durch Unterstützung einer Instanz zur Lösung der Unternehmungsaufgabe beiträgt.“ Seine sprachlichen Wurzeln hat der Begriff Stab im militärischen Kontext. Doch bereits im frühen 20. Jahrhundert hielt er Einzug ins Wirtschaftsleben. Die damit verbundenen Aufgaben können genereller Natur sein (allgemeine Assistenzfunktion) oder auch spezieller Natur (rechtliches, betriebswirtschaftliches oder technisches Spezialistentum). Sie dienen in der Regel der Vorbereitung von Managemententscheidungen und der Kontrolle ihrer Umsetzung. Stäbe haben meist keine eigene Entscheidungs- oder Weisungsbefugnis und sind dauerhaft einer mit Leitungsaufgaben betrauten „Instanz“ zugeordnet.

Wachsende Komplexität von Managementaufgaben und wachsende Anforderungen in Entscheidungsprozessen begründen die ungebrochene Popularität von Stäben (oder auch internen wie externen Beratern) in Aufbauorganisationen. Auch wenn es einen vermeintlich gegenläufigen Trend zu Dezentralisierung, Prozessorientierung und Enthierarchisierung gibt, erhöht sich die Anforderungsvielfalt für das verbleibende Management kontinuierlich. Diese Entwicklungen betreffen nicht nur das Management selbst, sondern (insbesondere in Deutschland) auch Mitbestimmungsakteure wie Betriebs- und Personalräte. Die betriebsverfassungsrechtlich normierten, abgestuften Mitwirkungsrechte des Betriebsrates gehen mit wachsenden fachlichen Anforderungen an Betriebsratsmitglieder einher, die den an das Top-Management gestellten Anforderungen ähnlich sind. Matrixorganisationen, globale Unternehmen, neue Formen des agilen Projektmanagements oder allein schon die hohe Themenvielfalt treiben die Komplexität weiter in die Höhe.

Stabsmitarbeiter zur Unterstützung der betrieblichen Interessenvertretung sind kein neues Phänomen, gewinnen aber an Bedeutung. 32 % der Referentenstellen sind gemäß der aktuellen Befragung in den letzten fünf Jahren eingerichtet worden (vgl. HBS 2016). Insbesondere Betriebsräte größerer Unternehmen bauen zusätzliche Kapazitäten auf in Form von ReferentInnen, AssistentInnen, StabsmitarbeiterInnen, GeschäftsführerInnen, Wissenschaftliche MitarbeiterInnen oder Ähnlichen. Die begriffliche Vielfalt spiegelt sich auch in der Vielfalt der Tätigkeitsprofile.

Jan Giertz


aktualisiert am 12.10.2017