Was versteht man unter Wissensarbeit?

Im Zuge des viel diskutierten Wandels der Arbeit 4.0 (vgl. Maschke/Werner 2015) wird die Digitalisierung der Arbeitswelt als bedeutender Trend aufgegriffen. Der Einzug von digitalen Technologien in die Wertschöpfungskette verändert nicht nur Arbeitstätigkeiten und Arbeitsabläufe, sondern schafft aus arbeitswissenschaftlicher Sicht auch neuartige Belastungs- und Beanspruchungskonstellationen für die Beschäftigten.

Grafik Schattenseiten der Technik

Wissensarbeit hat sich als weitläufiger Begriff etabliert. Meist umschreibt er die informationsbezogenen Tätigkeiten von hochqualifizierten Beschäftigten. So besitzen Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter häufig eine akademische Ausbildung; ihre Tätigkeit ist stark auf den Erwerb und die Anwendung neuen Wissens fokussiert. Berufe, die der Wissensarbeit zugeordnet werden, sind zum Beispiel Architekt, Sachverständiger, Berater, Gutachter (vgl. Fraunhofer IAO 2016). Die Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter sind dementsprechend in verschiedensten Tätigkeiten zu finden – in der Forschung, Beratung, Entwicklung, Gestaltung, Informationstechnik und vielen mehr (vgl. Spath et al. 2011). Zum Arbeitsalltag gehört dabei häufig der intensive Kontakt zu Kunden und Kooperationspartnern.

Wissensarbeit ist somit gekennzeichnet durch die Kombination von hohen (meist kognitiven/mentalen) Arbeitsanforderungen mit einem hohen Handlungsspielraum (Autonomie). Je nach Tätigkeit bringt sie auch hohe emotionale Anforderungen mit sich, insbesondere bei Dienstleistungen mit Kundenkontakt. Besondere Bedingungen, die in Zusammenhang mit Wissensarbeit auftreten, sind zudem die Digitalisierung und damit zusammenhängende mobile Arbeitsformen, ständige Erreichbarkeit und flexible Arbeitszeiten. Da sich die Inhalte der Wissensarbeit jedoch nicht klar beschreiben lassen, bleibt ihre Definition unscharf (ebd.).

Die Arbeit sollte unter Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse und Empfehlungen gestaltet werden. Für die Bezeichnung „gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse“ gibt es keine abschließende Definition, jedoch können folgende Indikatoren herangezogen werden (vgl. http://inqa.gawo-ev.de/cms):

  • Die Mehrheit der Fachleute sowie maßgebliche Vertreter des jeweiligen wissenschaftlichen Faches sind von der Richtigkeit der Erkenntnisse überzeugt. Dies bedeutet: Die wissenschaftliche Studienlage ist eindeutig und/oder renommierte Fachleute vertreten diese Ansicht.
  • Die arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse wurden in DIN-, EU- oder ISO-Normen und/oder berufsgenossenschaftliche Regeln übernommen.
  • Empfehlungen arbeitswissenschaftlicher Institutionen wie z. B. der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) können ebenfalls ein Indiz sein.

Liegen hingegen erste Hinweise aus wissenschaftlichen Studien vor, die noch nicht abgesichert wurden – fehlen z. B. Längsschnitt-Analysen, eine Validierung anhand anderer Daten, Studien mit Vergleichsgruppen, methodisch hochwertige Studien – so können die Erkenntnisse nur als „tendenziell“ eingestuft werden. Bestehen lediglich Hypothesen über Zusammenhänge, die noch nicht untersucht wurden, so besteht für diese Zusammenhänge Forschungsbedarf.

Anna Arlinghaus


aktualisiert am 16.03.2017