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Coronavirus-Pandemie

Was hat der Aufsichtsrat im Zusammenhang mit der Corona-Krise zu beachten?

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Dr. Sebastian SickAlexander Sekanina

aktualisiert am 30.04.2020

Welche Folgen hat die Corona-Krise nach derzeitigem Stand für die deutschen Unternehmen?

Auch wenn die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Unternehmenslandschaft zum jetzigen Zeitpunkt bei weitem nicht vollumfänglich absehbar sind, zeichnet sich klar ab, dass sie für zahlreiche Branchen und Unternehmen einen schwerwiegenden Einschnitt bedeutet. Im Unterschied zur Finanzkrise der Jahre ab 2008/2009 ist nun die Realwirtschaft direkt und nicht über den Umweg einer Bankenkrise betroffen.

Durch die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus besteht keinerlei räumliche Begrenzung der Krise. Auch der zeitliche Horizont, der mit ihr verbundenen Einschränkungen ist v. a. aufgrund des Fehlens eines geeigneten Impfstoffes zum jetzigen Zeitpunkt nicht präzise absehbar. Insofern müssen sich Unternehmen und ihre Beschäftigten, wie alle Bürgerinnen und Bürger, auf eine vorübergehende Phase der Unsicherheit einstellen.

Die Unternehmenslandschaft ist von dieser Entwicklung über drei Kanäle betroffen:

  • Die direkten Auswirkungen der Pandemie erfordern besondere Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit aller Beschäftigten, Kunden und Lieferanten und die möglichst weitgehenden Prävention vor einer weiteren Ausbreitung. Zugleich können einzelne Betriebe insbesondere in den regionalen Zentren der Pandemie von wachsenden Krankenständen betroffen sein, die den Fortgang des Geschäftsbetriebs bis auf weiteres in Frage stellen.
  • Indirekt wirken sich zudem die zahlreichen staatlichen und überstaatlichen Maßnahmen aus, die auf eine Verlangsamung der Ausbreitung und, zu diesem Zweck, eine räumliche Distanzierung innerhalb der Bevölkerung ausgerichtet sind. Diese Maßnahmen können in bestimmten Fällen, z. B. in der Luftfahrt oder der Gastronomie, den laufenden Betrieb gänzlich unterbrechen. Zugleich führen sie aber auch zur Unterbrechung zahlreicher, v. a. transnationaler Liefer- und Wertschöpfungsketten.
  • Zeitversetzt wirken ferner nachlaufende Effekte der Krise innerhalb der globalen Volkswirtschaften. So muss z. B. in vielen Branchen mit einer zeitlich begrenzten Investitionszurückhaltung, verändertem Konsumverhalten und - in schwerwiegenden Fällen - mit Zahlungsausfällen und Insolvenzen gerechnet werden. Diese haben wiederum Auswirkungen auf andere Unternehmen beispielsweise innerhalb der Lieferkette oder in der Banken- und Versicherungslandschaft. Auf diesem Wege kann es zu Zweit- und Drittrundeneffekten kommen.

Das Ausmaß insbesondere der an zweiter und dritter Stelle genannten Pandemie-Folgen wird sich erst über einen längeren Zeitablauf genau beurteilen lassen. Dennoch ist es aus Perspektive des Aufsichtsrates jetzt von entscheidender Bedeutung, die richtigen Fragen zu stellen und Themen zu adressieren, die vor dem Hintergrund der beschriebenen Unsicherheiten von Bedeutung sind. Denn nur so kann auf eine umsichtige und stabilitätsorientierte Unternehmenspolitik hingewirkt werden, die auch unter den aktuell widrigen Umständen Beschäftigung und wirksame Mitbestimmung sichert.

Dr. Sebastian SickAlexander Sekanina

aktualisiert am 30.04.2020