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Grundlagen & Anwendungsbeispiele

Risikomanagement

Welche Relevanz hat das Thema für Arbeitnehmervertretungen?

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Aufsichtsräte sind bei der Erfüllung ihrer Überwachungspflicht auf Informationen über die Risikolage und den Aufbau des Risikomanagementsystems angewiesen. Sie überprüfen den Vorstand, der laut  HGB § 289 1 „zu versichern (hat), dass nach bestem Wissen im Lagebericht der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage der Kapitalgesellschaft so dargestellt sind, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird, und dass die wesentlichen Chancen und Risiken […] beschrieben sind.” Aufsichtsräte müssen sich also schon aufgrund der gesetzlichen Vorschriften mit dem Thema Risikomanagement befassen. Damit schreibt ihnen der Gesetzgeber eine Prüfpflicht zu. Sie müssen sich also schon aufgrund der gesetzlichen Vorschriften mit dem Thema Risikomanagement befassen.

Die Aufbauorganisation eines Risikomanagementsystems soll gemäß ISO 31000 so gestaltet werden, dass bei der Risikoidentifizierung wie auch bei den weiteren Arbeitsschritten interne Anspruchsgruppen konsultiert werden. Darunter fallen die Interessensvertretungen.

Aber auch ungeachtet der gesetzlichen Verpflichtung ist es sinnvoll, sich als Interessenvertretung – sei es als Betriebsrat oder als Aufsichtsrat – mit dem Thema Risikomanagement zu befassen, bildet es doch die Grundlage für die Maßnahmen, die ein Unternehmen zur Reduzierung von Risiken unternimmt. Werden vorhandene Risiken nicht erkannt – und ihnen also auch nicht entgegengesteuert –, kann der Bestand des Unternehmens gefährdet sein.

Interessant für Arbeitnehmervertretungen ist auch die aktuell diskutierte Erweiterung der Risikoperspektive. Während Risiken traditionell im unternehmerischen Risikomanagement aus der Perspektive betrachtet werden, welche Risiken sich für das Unternehmen ergeben können, werden Risiken im Nachhaltigkeitskontext in zwei Richtungen betrachtet. Zum einen traditionell: Welche Risiken haben Umwelt und Gesellschaft für das Unternehmen? Aber auch umgekehrt: Welche Risiken erwachsen aus der Geschäftstätigkeit der Unternehmen für Umwelt und Gesellschaft? Themen wie internationale Arbeitsbedingungen und Menschenrechte, aber auch vom Unternehmen verursachte Umweltverschmutzung geraten so ins Blickfeld der Risikobetrachtung. Wenn die Interessenvertretung auf Risikoanalyse und Risikomanagement Einfluss nimmt, hat sie auch Einfluss auf die Strategie des Unternehmens, mit der den Risiken begegnet wird.

Dr. Judith Beile

aktualisiert am 18.08.2020