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Akteure und Regulierung

Sustainable Finance

Welche Relevanz hat das Thema für Arbeitnehmervertretungen?

Regelungen und Empfehlungen zur Kapitalanlage haben insbesondere Auswirkungen auf Finanzdienstleister und börsennotierte Unternehmen – und sind damit ein Thema für deren Interessenvertretungen.

Das Thema Sustainable Finance gewinnt durch die steigende Nachfrage von Investoren an Bedeutung. Investoren beziehen bei der Geldanlage neben Rendite, klassischen Risiken und Liquidität heute zunehmend auch die Risiken ein, die aus der mangelnden Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten erwachsen. Eine dementsprechend geänderte Risikooptimierung führt dazu, dass für einen wachsenden Investorenkreis Anlagen mit einer finanziell motivierten Wertorientierung zunehmend mit solchen aus einer werteorientierten Berücksichtigung von Nachhaltigkeitszielen übereinstimmen. Es ist Aufgabe der Politik, die Weichenstellungen für eine sachgerechte Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien am Finanzmarkt vorzunehmen.

Wenn die Strategie der EU aufgeht und weiterhin mehr Kapital in nachhaltige Kapitalanlagen fließt, wird es wichtiger, was als nachhaltige Kapitalanalagen definiert wird und damit in die Strategie passt. Je mehr Kapitalanleger*innen sich an nachhaltigen Kriterien orientieren, desto bedeutsamer wird nicht mehr nur für die Finanzdienstleister, sondern für alle börsennotierten Unternehmen die Nachhaltigkeitsstrategie der Unternehmen und ihre Kommunikation nach außen.

Das Thema hat in letzter Zeit auch dadurch an Fahrt gewonnen, dass große Player sich zu nachhaltigen Finanzanlagen bekennen: Larry Fink, Vorstandsvorsitzender des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock, hat im Januar 2020 verkündet, künftig wolle man Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Bestandteil der Portfoliokonstruktion und des Risikomanagements machen und sich von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellten, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten. Neue Anlageprodukte sollen Investments in fossile Brennstoffe ausschließen. Der Staatsfonds, der sich aus den Gewinnen des staatlichen Erdölkonzerns speist, hat einen Ethikrat eingerichtet, der den Ausschluss von Unternehmen empfohlen hat, die als korrupt gelten oder mit Tabak, Kinderarbeit, umweltschädlichem Verhalten und Atomwaffenproduktion zu tun haben. Im Mai 2020 hat er auf dieser Basis nach einer Überprüfung der produktbasierten Kohlekriterien seine Anteile am deutschen Energieversorger RWE sowie an den Konzernen Sasol, Glencore, AGL Energy und Anglo American wegen des Gebrauchs und der Produktion von Kohle ausgeschlossen. Goldman Sachs, immerhin eine der weltweit größten Emissionsbanken, bringt zukünftig keine Unternehmen mehr an die Börse, in deren Aufsichtsrat nicht mindestens eine Frau oder ein Mitglied einer anderen unterrepräsentierten Gruppe sitzt.
Interessenvertretungen haben damit in den Anlegern potenzielle neue Verbündete und können versuchen, ihren Einfluss auf Nachhaltigkeitshemen geltend zu machen und die für Arbeitnehmer*innen wichtigen Themen im Nachhaltigkeitskontext nach vorne zu bringen.

Dr. Judith Beile

aktualisiert am 18.08.2020