Hauptinhaltsbereich

Grundlagen und Praxisbeispiele

Berichtspflicht Nichtfinanzielle Erklärung

Welche Relevanz hat das Thema für Arbeitnehmervertretungen?

Die nichtfinanzielle Erklärung beziehungsweise die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung ist schon allein deshalb für Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter im Aufsichtsrat relevant, weil der Aufsichtsrat sie laut Gesetz prüfen muss. Daher müssen sich Aufsichtsräte zwingend mit diesem Thema beschäftigen.

Icon Nichtfinanzielle Erklärung

In den betroffenen Unternehmen muss konkret über die Besetzung in den Leitungs- und Kontrollorganen (das heißt Vorstand und Aufsichtsrat) nach Diversitätsgesichtspunkten (häufig auf das Geschlecht bezogen, aber zum Beispiel auch auf Alter, Bildungs- oder Berufshintergrund) sowie über die Strategien und Risiken zu den Themenfeldern Umwelt, soziale Belange und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung und deren Ergebnisse berichtet werden. Aus § 171 des Aktiengesetzes ergibt sich die Prüfung der Angaben in diesen Themenfeldern durch den Aufsichtsrat. Hierunter fallen zum Beispiel die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben und die qualifizierte Darstellung von Sachverhalten, die ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Angaben widerspiegelt.

Die nichtfinanzielle Erklärung beziehungsweise die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung ist aber über die gesetzliche Prüfpflicht hinaus ein Thema, mit dem Interessenvertretungen aller Ebenen sich gewinnbringend beschäftigen können. Die Risikoanalyse, die der Berichterstattung zugrunde liegen sollte, sowie die Auswahl der wesentlichen Themen entscheidet über den Inhalt der Berichterstattung. Hier können Interessenvertretungen sich einmischen und damit Einfluss auf die Inhalte nehmen. Wird über aus Sicht von Interessenvertretungen relevante Themen berichtet – etwa im Bereich der Arbeitnehmerbelange oder der Menschenrechte –, können die Arbeitgeber an ihren eigenen (Berichts-)Maßstäben gemessen werden. Das heißt, die Inhalte der verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung können überprüft und gegebenenfalls erforderliche Materialien eingefordert werden.

Um dies leisten zu können, müssen die Interessenvertretungen zumindest Basiskenntnisse über die rechtlichen Verpflichtungen und die Inhalte der verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung haben. Die Hans-Böckler-Stiftung bietet entsprechende Seminare zum Thema Nachhaltigkeit an und hat diverse Handlungshilfen veröffentlicht (s. auch "Weiterführende Informationen").

Dr. Judith Beile

aktualisiert am 15.11.2021