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Autonomer Verkehr, Entwicklung, Gesellschaft

Autonome Klein- und Omnibusse im öffentlichen Verkehr

Worum geht es?

Das Thema „Autonomes Fahren“ hat in den letzten Jahren einen neuen Entwicklungsschritt erreicht, nämlich die Erprobung im öffentlichen Straßenraum. Zahlreiche Pilotprojekte sowohl mit Pkw als auch mit Klein- und Kraftomnibussen wurden initiiert und liefern wichtige Erkenntnisse zu den technischen Herausforderungen und der Akzeptanz und Etablierung als Dienstleistung. Die Durchführung der Pilotprojekte in Deutschland konzentriert sich auf den öffentlichen Straßenpersonennahverkehr, wird mit Hilfe von Ausnahmegenehmigungen realisiert und unterliegt strengen Auflagen und Beschränkungen, sodass zunächst besser von „automatisierten“ Verkehrsmitteln gesprochen wird. 

Automatisierte Fahrzeuge übernehmen je nach Automatisierungsgrad verschiedene Funktionen und Aufgaben des Fahrers. Diese sind als Assistenzsysteme (u. a. zur adaptiven Geschwindigkeitsregelung und als Spurhalteassistent) gegenwärtig in Pkw-Modellen bis zur Automatisierungsstufe 2 kommerziell erhältlich. Eine Vollautomatisierung bzw. autonomes Fahren ist erreicht, wenn sich Straßenfahrzeuge „fahrerlos“ – also ohne jegliche aktive Beteiligung eines Passagiers an Bord des Fahrzeugs – durch den Straßenverkehr bewegen können.

SAE-Stufe Bezeichnung Beschreibung Quer- und Längsführung Umgebungs-beobachtung Rückfallebene
0 keine Automation Der Fahrer fährt eigenständig, auch wenn unterstützende Systeme (z. B. ABS oder ESP) vorhanden sind. Fahrer Fahrer keine
1 Assistenzsysteme Fahrerassistenzsysteme helfen bei der Fahrzeugbedienung bei der Längs- oder der Querführung (u. a. Adaptive Geschwindigkeitsregelung und Spurhalteassistent). Fahrer und System Fahrer Fahrer
2 Teilautomatisierung Ein oder mehrere Fahrerassistenzsysteme helfen bei der Fahrzeugbedienung bei Längs- und gleichzeitiger Querführung (u. a. Stauassistent). Der Fahrer muss die Hände am Lenkrad haben. System, in einem spezifischen Anwendungsfall Fahrer Fahrer
3 Bedingte Automatisierung 
(VDA: Hochautomatisierung)
Autonomes Fahren mit der Erwartung, dass der Fahrer auf Anforderung die Fahrzeugsteuerung übernehmen muss (z. B. Fahren auf der Autobahn). System, in einem spezifischen Anwendungsfall unter Erkennung der Systemgrenzen System Fahrer
4 Hochautomatisierung
(VDA: Vollautomatisierung)
Automatisierte Führung des Fahrzeugs ohne die Erwartung, dass der Fahrer auf Anforderung zum Eingreifen reagiert. Ohne menschliche Reaktion steuert das Fahrzeug weiterhin autonom. System übernimmt und bewältigt in einem spezifischen Anwendungsfall alle Situationen automatisch System System
5 Vollautomatisierung
(VDA: Fahrerlos)
Vollständig autonomes Fahren ohne Fahrer von Start bis Ziel. System, unter allen denkbaren Anwendungsfällen System System
Tabelle 1: Automatisierungsgrade von Straßenfahrzeugen. „Anwendungsfälle“ unterscheiden sich nach Straßentypen, Geschwindigkeitsbereiche und Umfeldbedingungen. Eigene Darstellung nach ERI1 und VDA

Die in Pilotprojekten eingesetzten Fahrzeuge sind mit einer komplexen Sensorik, Kameras und einem LIDAR-System, der laserbasierten Variante des RADAR, ausgestattet. Somit sind die technischen Voraussetzungen gegeben, um Hindernissen auszuweichen und die Fahrspuren zu wechseln.

Perspektivisch sollen autonome Fahrzeuge die vorhandenen Mobilitätsangebote erweitern und den öffentlichen Verkehr für Kunden durch eine stärkere Bedarfsorientierung und Flexibilität attraktiver machen. Durch den Umstieg auf die ausschließlich elektrisch angetriebenen Kleinbusse kann gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Luftqualität in Städten geleistet werden. 

Neben vielfältigen fördernden und hemmenden Faktoren, ist insbesondere der Einfluss auf gesellschaftliche Aspekte und disruptive und inkrementelle Veränderungen zu beachten.

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1 Stefan Karch: Autonomes Fahren aus Sicht der Bahntechnik, in: Eisenbahn-Revue International 1/2019 (Minirex-Verlag, Luzern), S. 20-25.
Autonome Busse
© VDI Technologiezentrum GmbH
Cover Working Paper Forschungsförderung 179

Kaiser, O. S./Malanowski, N. (2020): Autonome Klein- und Omnibusse im Öffentlichen Verkehr

Working Paper Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung
Nummer 179

Mai 2020, 39 Seiten

Anna März

aktualisiert am 22.06.2020