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Perspektiven der Energiewende

Peer-to-Peer-Energiehandel

Worum geht es?

Icon Monitor ITP Energiehandel

Unter Peer-to-Peer-(P2P)-Energiehandel wird der Austausch bzw. Verkauf von Strom zwischen „ebenbürtigen“ (= peer) Akteuren ohne vermittelnde Instanz verstanden. Die Lieferkette (von Stromerzeuger über Netzbetreiber und Strombörse zu Stromversorger und schließlich zum Endkunden) wird damit verkürzt und dezentralisiert. Durch P2P-Energiehandel verändern sich folglich die Rollen von privaten Wohnanlagen, Unternehmen und Energieversorgern. Akteure, die bisher ausschließlich Energiekonsumenten waren, könnten zukünftig ebenfalls Strom/Energie produzieren und verkaufen, beispielsweise aus den Überschüssen einer privaten Photovoltaikanlage oder aus der Abwärme von industriellen Prozessen. Stromkäufer und -verkäufer finden direkt zueinander, ohne dass Energiebörsen oder Energieversorger als zentrale Zwischeninstanzen erforderlich sind. Private Wohnanlagen, Bürogebäude und Unternehmen werden zu sogenannten dezentralen Prosumenten (Produzenten und Konsumenten), die Strom ins Versorgungsnetz einspeisen bzw. an Dritte verkaufen.

Die Einspeisung in und die Nutzung des öffentlichen Stromnetzes ermöglichen Mischformen des Strombezugs. Sowohl Strom von Elektrizitätsversorgungsunternehmen als auch aus kleineren Erneuerbare-Energien-Anlagen (Sonne, Wind, Biogas) können gebündelt genutzt werden. Der Zusammenschluss mehrerer dezentraler Stromanlagen, die zusammen ins öffentliche Netz einspeisen, wird als „virtuelles Kraftwerk“ bezeichnet.

Der Kontakt zwischen Stromverkäufern und Endkunden erfolgt über digitale P2P-Handelsplattformen unter Nutzung der Blockchain-Technologie. Diese fungiert als digitales Protokoll, bei dem die Daten und Transaktionen nicht auf einem zentralen Rechner oder Server gespeichert werden, sondern auf zahlreichen Knotenpunkten in einem Netzwerk verteilt und dadurch transparent und sicher vor Manipulationen sind. Der Blockchain-Einsatz erlaubt es jedem Netzwerkteilnehmenden, sich über einen Schlüssel auf der Plattform zu identifizieren. Alle Transaktionen werden mithilfe der Blockchain dokumentiert und verifiziert.

Dies bedeutet zugleich, dass die Netzwerkteilnehmenden über zwei Netze verbunden werden müssen: das Internet und das Stromnetz. Intelligente Mess- und Steuerungssysteme, sogenannte Smart Meter, messen die erzeugten und verbrauchten Energiemengen und leiten die korrekte Abrechnung durch eine Schnittstelle in Echtzeit an das entsprechende Kommunikationsnetz.

Working Paper Forschungsförderung 209

Sylvie Rijkers-Defrasne, Till von Versen, Norbert Malanowski: Herausforderungen Peer-to-Peer-Energiehandel in Deutschland

Potenziale, Herausforderungen und Ausblick

Forschungsförderung Working Paper Nr. 209, März 2021

Anna März

aktualisiert am 25.03.2021