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Gute Praxis

Meine Zeit, mein Leben! - Arbeitszeitgestaltung

Zeitgemäße Arbeitszeitmodelle – KS Kolbenschmidt

Mit einer Konzernrahmenbetriebsvereinbarung (KRBV) wurden die Weichen für eine moderne Arbeitszeitgestaltung gestellt.

Das Unternehmen
Die KS Kolbenschmidt GmbH ist in der Automobilbranche tätig und gehört seit 1997 zur Rheinmetall Gruppe. Von dem 15-köpfigen Betriebsratsgremium wurde 2017 die Rahmenbetriebsvereinbarung Arbeitszeitgestaltung beim Deutschen BetriebsräteTag eingereicht.

Moderne Arbeitszeiten als Attraktivitätsgewinn
Eine hohe Fluktuation junger Beschäftigter und eine hohe Konkurrenzsituation mit benachbarten Unternehmen waren Auslöser eine Konzernbetriebsvereinbarung zu modernen Arbeitszeitmodellen zu entwickeln. Hierdurch sollte die Attraktivität als Arbeitgeber gesteigert und damit ein Wettbewerbsvorteil geschaffen werden.

Jüngere Generationen kommen rein, die sagen: 'Das ist doch nicht mehr zeitgemäß. (…) Im alten Unternehmen hatte ich die und die Freiheitsgrade.'

Markus Schaubel, Betriebsratsvorsitzender

Der Vereinbarungsprozess: Arbeitszeit der Zukunft
Das Vorhaben des Betriebsrates deckte sich mit Überlegungen des Arbeitgebers. In Workshops wurden beidseitige Ideen ausgetauscht, und nur ein halbes Jahr später die Rahmenbetriebsvereinbarung verabschiedet. Die Vereinbarung besteht aus unterschiedlichen Maßnahmen, welche eine bessere Integration der Arbeit in individuelle Lebenssituationen der Beschäftigten ermöglicht. Die Beschäftigten erhalten deutlich mehr Autonomie, aber auch Eigenverantwortung im Umgang mit ihrer Arbeitszeit. Die KRBV gibt ein Gerüst vor, sukzessive wurden an den einzelnen Standorten Betriebsvereinbarungen abgeschlossen.

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Die Rahmenbetriebsvereinbarung beinhaltet u.a. Regelungen zu:

  • Modifikation der Gleitzeitarbeit
  • Mobiles Arbeiten
  • Familien- und Pflegezeit sowie persönliche Auszeiten
  • Elternzeit
  • Teilzeitmodelle
  • Führen in Teilzeit
  • Job Sharing  
  • Vertrauensarbeitszeit
  • Innovative Schichtsysteme

Neureglungen und Umsetzungsbeispiele
Eine der wichtigsten Neuregelungen betrifft die Flexibilisierung der Gleitzeit, indem Abstand zu starren Kern- und Pausenzeiten genommen wurde. Stattdessen geben betriebliche Rahmenzeiten einen weiter gefassten Zeitrahmen vor, was eher den Wünschen der Beschäftigten entspricht. Auf eine Kernzeit wird gänzlich verzichtet. Auch steht es jedem Beschäftigten frei, sich die Länge der verschiedenen Arbeitstage einzuteilen. Wichtig ist nur, dass am Monatsende die Gesamtzahl der Arbeitsstunden erreicht wird. Auch der Umgang mit Überstunden wurde neu reguliert, da diese früher ab einer bestimmten Grenze verfielen. Wird nun ein gewisses Limit überschritten, können die Stunden auf ein anderes Konto umgebucht werden, jedoch nur nach vorheriger Antragsstellung beim Vorgesetzten. Hierdurch soll der eigenverantwortliche Umgang gefördert werden; zugleich besteht Kontrolle über das Stundenkontingent.

Das war bei uns eine Bedingung: kein Arbeitszeitverfall mehr.

Markus Schaubel, Betriebsratsvorsitzender

Bewusst hat der Betriebsrat die Einführung einer Vertrauensarbeitszeit abgelehnt. Der Betriebsrat bezweifelt, dass beim Wegfall der technischen Zeiterfassung tatsächlich alle Überstunden erfasst werden. In einem Kompromiss einigte man sich schließlich auf eine freiwillige Anwendung bei leitenden Angestellten.

Besonders wichtig war dem Betriebsrat, dass mit der KRBV erstmalig das mobile Arbeiten geregelt wird. Sofern es die Arbeitsanforderung erlaubt, ist die mobile Zeitgestaltung nunmehr allen Beschäftigten tage- oder stundenweise gestattet. Dass Regelungen zum mobilen Arbeiten dringend erforderlich waren, wurde bei der Zählung von VPN-Zugängen deutlich. Zum Erstaunen – auch der Personalführung – verfügten an einem Standort bereits mehr als die Hälfte der Beschäftigten über einen solchen Zugang.

Da hat er gesagt: 'Das geht so nicht.' Und so haben wir die Vereinbarung für mobiles Arbeiten abgeschlossen.

Markus Schaubel, Betriebsratsvorsitzender

Zudem vereinbarte man Schichtmodelle weiter zu entwickeln. Auf dieser Grundlage wurden an einem Standort kürzere Schichtblöcke (2 - 3 statt 5) und statt der absteigenden aufsteigende Schichtfolgen eingeführt. Für die Beschäftigten hat das neue System den Vorteil, dass weniger Schichttage am Stück geleistet werden und statt eines großen Freizeitblocks mehr freie Tage zwischen den einzelnen Blöcken entstehen: Nachweislich ist dies gesundheitsschonender.

Alle Belegschaften, die das gemacht haben, wollen nicht mehr zurück ins alte [Schichtsystem].

Markus Schaubel, Betriebsratsvorsitzender

Weite Verbreitung in den Standorten
Resultierend beschreibt der Betriebsrat die Vereinbarung und ihre Umsetzung als „vollen Erfolg“. Die Erweiterung der Gleitzeit sowie die Regulierung des mobilen Arbeitens wurden an allen Standorten nach nur 1 ½ Jahren umgesetzt. Ein zukünftiges Anliegen des Betriebsrates ist es Führen in Teilzeit zu gestalten und im Unternehmen zu verbreiten.

Fazit: Rahmenbetriebsvereinbarung als Grundstein für moderne Arbeitsmodelle
Mit der Rahmenbetriebsvereinbarung wurde mehr Flexibilität im Umgang mit Arbeitszeit erreicht. Die Vereinbarung beinhaltet wichtige Elemente, die eine moderne und bedarfsgerechte Arbeitszeitgestaltung erfordert. Dem ursprünglichen Ziel, als Arbeitgeber attraktiver zu werden, kam man auch näher, weil Nachholbedarf aus Beschäftigtensicht bestand und weil umliegende Konkurrenzunternehmen sehr ähnliche Vereinbarungen verabschiedet hatten. Für den Betriebsrat ist zwar das große Thema Arbeitszeitgestaltung derzeit beendet, doch ist er sich dessen bewusst, dass es immer wieder einer Aufarbeitung und Sensibilisierung bedarf: insbesondere um nicht regulierte Bereiche frühzeitig zu erfassen und die Beschäftigten auf ihre Eigenverantwortung im Umgang mit ihrer Arbeitszeit hinzuweisen.

Deswegen können wir sagen: 'Wir haben das Große, die Massen. Das haben wir alles abgearbeitet, erledigt. Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit (…) und natürlich auch das Thema mobile Arbeit geregelt.'

Markus Schaubel, Betriebsratsvorsitzender
Markus Schaubel

Markus Schaubel
Betriebsratsvorsitzender
KS Kolbenschmidt GmbH
Karl-Schmidt-Str. 2-8
74172 Neckarsulm
Tel. +49 (0) 7132 332900
markus.schaubel@de.rheinmetall.com
www.rheinmetall-automotive.com

Julia Massolle

aktualisiert am 09.04.2019