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Werkzeugkasten (Modul 4)

Arbeiten mit Szenarien

Es müssen nicht (immer) die eigenen Szenarien sein …

Icons Werkzeugkasten Szenarien

Modul 4: Arbeiten mit Szenarien

Gute Szenarien zu entwickeln, benötigt viel Zeit und Ressourcen. Eine sinnvolle Alternative kann sein, bereits vorhandene Szenarien für den eigenen Kontext zu nutzen. In diesem Modul findet Ihr hierfür Ideen, Methodenbausteine, Materialien und Hinweise auf bestehende Szenariensets. Gleichzeitig bietet es Anregungen und Tipps, um seine eigenen Szenarien mit anderen zu teilen.

Unser Werkzeugkasten versteht sich als Einladung, den Szenarienansatz für den eigenen Kontext fruchtbar zu machen und vermittelt die dafür nötigen Grundlagen. Doch nicht immer stehen im hektischen Mitbestimmungsalltag ausreichend Ressourcen zur Verfügung, um einen vollständigen Szenarienprozess auf die Beine zu stellen. Häufige Gründe hierfür sind: zu wenig Zeit, fehlendes methodisches Know-how, eine mangelnde Unterstützung bzw. nur loses Interesse in der Organisation sowie fehlende finanzielle Mittel (z. B. für eine externe Prozessbegleitung).

Wie kann man den Szenarienansatz dennoch für sich nutzen? Eine Möglichkeit hierfür sind kompakte Szenarienübungen, mit denen der Blick nach vorne gerichtet werden kann (s. Praxisübungen in Modul 1: Grundlagen). Zum anderen kann sich der Rückgriff auf Szenarien lohnen, die bereits (von anderen) entwickelt wurden. Findet man zu seinem Themenfeld interessante Szenarien, muss man das Rad ja nicht unbedingt selbst neu erfinden.

  • In diesem Modul zeigen wir, wie Ihr mit (bestehenden) Szenarien arbeiten könnt. Ihr findet hierfür Ideen, Methodenbausteine, Materialien und Hinweise auf bestehende Szenariensets, die Ihr benutzen könnt.
  • Ihr habt bereits Eure eigenen Szenarien entwickelt? Dann gibt Euch dieses Modul viele Anregungen und Tipps, wie Ihr mit Euren Szenarien ins Gespräch mit anderen Menschen und Akteursgruppen kommt („Roadshow“).

Ein großer Vorteil ist offensichtlich: Der aufwendige Teil des Erstellens der Szenarien ist bereits abgeschlossen. Die Szenarien liegen also schon vor. Nicht selten werden die Texte zudem mit verschiedenen Materialien veröffentlicht, z. B. mit Podcasts, Filmen, Schaubildern und Illustrationen.

Die Szenarien können wie eine Art Bühnenbild genutzt werden. Man kann in verschiedene (Zukunfts-)Welten eintauchen und sie gemeinsam durchdenken. Viele positive Aspekte des Szenarienansatzes lassen sich somit auch in der Arbeit mit Szenarien realisieren.

Da man die Szenarien zudem nicht selbst geschrieben hat, erhält man möglicherweise andere Perspektiven, frische Ideen und provokante Thesen, an denen man sich reiben kann. Szenarien sind übrigens nie auserzählt. Sie leben davon, sie um neue Themen und Perspektiven zu ergänzen und vor allem für den eigenen Handlungskontext zu konkretisieren.

Der größte Nachteil der Arbeit mit bestehenden Szenariensets ist ebenso offenkundig: Man hat nicht selbst Hand anlegen können beim Entwickeln der Szenarien. Damit sind einige grundlegende Entscheidungen bereits festgezurrt, die man selbst eventuell anders getroffen hätte. Auch fehlt einem die spannende Erfahrung des Szenarienprozesses, der eine Gruppe meist über mehrere Monate in einen intensiven Austausch miteinander bringt. Das erhöht naturgemäß die Identifikation mit den Szenarien, ihre Passgenauigkeit sowie das gemeinsame Verständnis; hat man doch gemeinsam über unzählige Stunden an den Szenarien gewerkelt und um jeden Absatz und jedes Wort gerungen. Nicht selten ist die Arbeit mit bestehenden Szenarien aber ein erster Schritt, auf den später ein eigener Szenarienprozess aufbauen kann.

Die Einsatzsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Man kann Szenariensets beispielsweise nutzen, um im eigenen Mitbestimmungsgremium oder einer anderen Gruppe wichtige zukunftsgerichtete Diskussionen anzustoßen und gemeinsam über zentrale strategische Implikationen nachzudenken und Handlungsoptionen für die eigene Organisation zu entwickeln.

Gleichzeitig sind Szenarien ideal als Dialogangebot, um z. B. im Rahmen einer Veranstaltung in den Austausch mit anderen zu kommen. Auch ein gemeinsamer Szenarien-Workshop jenseits der „klassischen Gremien-Zusammensetzungen“ kann für konstruktive Verständigung und Einblicke in unterschiedliche Perspektiven im Unternehmen sorgen, z. B. mit Beschäftigten unterschiedlicher Abteilungen, Führungskräften oder Managern (z. B. im Rahmen eines Leitbildprozesses). So könnte ein Betriebsrat z. B. zu einem Szenarien-Workshop zum Thema Digitalisierung einladen, um für die Bedeutung des Themas im Unternehmen zu sensibilisieren und sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise zu verständigen.

Die Arbeit mit Szenarien ist dialogorientiert und bietet neue Perspektiven. Sie ermöglicht einen offenen Blick auf unterschiedliche mögliche Zukünfte und was man gemeinsam tun kann. Sie kann somit auch Teambuilding-Prozesse unterstützen, da sie die Teilnehmenden in einen intensiven und konstruktiven Austausch ihrer Sichtweisen bringt.

Auch in grenz- und kulturübergreifenden Veranstaltungen haben wir viele positive Erfahrungen sammeln können, sei es für den Austausch im Europäischen Betriebsrat oder bei internationalen Gewerkschaftstreffen.

Materialien in anderen Sprachen

Auf der Themenkarte „Ausgewählte Szenarien und Materialien“ finden sich einige Szenariensets, die in Englisch und zum Teil in weiteren Sprachen verfügbar sind.

Beispiele für den Mehrwert der Arbeit mit Szenarien:

  • "Trainieren“ unserer Fähigkeit, langfristig zu denken und mit Unsicherheit und Veränderung umzugehen
  • Erkunden und Durchdenken alternativer Entwicklungspfade
  • Ausloten von Handlungsoptionen in den Szenarien und im „Jetzt“
  • Spannender, konstruktiver Austausch mit Kolleginnen und Kollegen
  • Kreative, interaktive Workshop-Formate
  • Auch für kürzere Formate geeignet
  • Konkretisieren und Weitererzählen der Szenarien für das eigene Gremium/Unternehmen bzw. Vertiefen zu einem bestimmten Thema
  • Möglichkeit, mit anderen Stakeholdern in den Dialog zu kommen
  • Verbessern der Kommunikationsfähigkeit im eigenen Gremium
  • Sammeln von ersten Erfahrungen mit der Szenarienmethode (ggf. auch, um später eigene Szenarien zu entwickeln)

Sascha MeinertMichael Stollt

aktualisiert am 10.03.2022