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Bleibeperspektiven für Frauen verbessern

Beschäftigtenbefragung: Impulse für berufliche Entwicklung

In der von Kohleabbau und Strukturwandel geprägten Region Lausitz brauchen (hoch-)qualifizierte Frauen langfristige Berufs- und Bleibeperspektiven. Welche das sind, zeigen Beschäftigtenbefragungen beim DZA.

Key Visual der Förderlinie Transformation

Die Lausitz leidet unter den Folgen jahrzehntelanger Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, auch vieler weiblicher Beschäftigter. Ursächlich ist vor allem der Strukturbruch nach der Wende, dem viele Industriearbeitsplätze zum Opfer fielen. Inzwischen aber sprießen dort infolge gezielter Ansiedlung verschiedener Industrien und öffentlicher Einrichtungen neue Unternehmen und Institutionen – insbesondere aus modernen wissensintensiven Branchen – aus dem Boden. Diese stehen nun vor der Aufgabe, qualifiziertes Personal zu finden und für die Betroffenen langfristige Entwicklungs- und Bleibeperspektiven zu entwickeln.

Die Region erhält 17,2 Milliarden Euro aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG), um die wirtschaftliche Basis der Lausitz zu stärken. Zugleich sollen mit diesen Fördergeldern neue, insbesondere langfristige, Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen und wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung auf den Weg gebracht werden.

DZA als attraktiver Arbeitgeber in der Region

Auch das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) mit Sitz in Görlitz und Hoyerswerda wird aus Strukturstärkungsmitteln des Investitionsgesetzes finanziert. Der Anspruch dieser seit 2023 im Aufbau befindlichen und im Januar 2026 gegründeten gemeinnützigen Wissenschaftsinstitution (gGmbH), Frauen – speziell in naturwissenschaftlichen Fächern – neue berufliche Chancen einzuräumen, war von Anfang an hoch.

„Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass dieses Thema nicht nachrangig behandelt, sondern gleich schon in der Gründungsphase mitgedacht wird. Wir wollten Gleichstellung und Vielfalt nicht später hinzufügen, sondern von Beginn an leben“, sagt Katharina Henjes-Kunst, Geschäftsführerin des DZA. „Als neue Forschungseinrichtung haben wir die Chance, Dinge von Anfang an bewusst zu gestalten: transparenter, inklusiver und verbindlicher.“

Aber welche Aspekte in ihrer Arbeits- und Lebenswelt sind für Frauen ausschlaggebend, um sich an die Forschungseinrichtung und die Region langfristig zu binden? Was folgt daraus für das Recruiting von weiblichem Personal – von Astrophysikerinnen über Mechatronikerinnen bis hin zu qualifizierten Verwaltungsangestellten? Was bedeutet das für die Personalentwicklung oder auch für außerbetriebliche Unterstützungsangebote?

„Die Frage nach den Arbeits- und Bleibebedingungen ist zentral, denn qualifizierte Frauen langfristig zu binden, ist ein notwendiges Unterfangen, für das es Mitstreiter*innen auch in anderen Unternehmen und innerhalb der Region bedarf“, sagt Anika Noack, Projektleiterin von der Sprint PartG in Berlin, die das DZA beim Thema Fachkräftegewinnung und Gleichstellung wissenschaftlich begleitet. Deshalb regte sie an, dieser Frage im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts zusammen mit dem DZA und seiner Abteilung Transformationsforschung wie auch mit gewerkschaftlichen Partner*innen – dem Deutschen Gewerkschaftsbund Bezirk Sachsen, dem Revierwende-Büro des DGB Lausitz und ver.di Sachsen – nachzugehen. In dessen Mittelpunkt sollte eine Beschäftigtenbefragung stehen.

Den Auftakt machte ein Strategieworkshop mit der DZA-Leitung, 19 Beschäftigten und externen Teilnehmer*innen. Danach wurden in einer Fokusgruppe zunächst nur Mitarbeiterinnen des DZA und später online alle Beschäftigten – auch die männlichen – befragt.

Wir verstehen die Befragungen als ein Entwicklungsinstrument, das bereits in der Frühphase des DZA die Breite der Wünsche und Ansprüche aller Beschäftigten abbildet, um sich spätere Sackgassen zu ersparen.

Anika Noack, Projektleiterin von der Sprint PartG in Berlin

Erwartungen von akademischen Frauen

Im Ergebnis sahen die Befragten das DZA bereits auf einem guten Weg als attraktiver Arbeitgeber. Sie konnten sich mit den Zielen und der „Mission“ des DZA – internationale Vernetzung, wissenschaftliche Exzellenz und Mitgestaltung des Wandels in der Lausitz – gut identifizieren, lobten die langfristigen Entwicklungsperspektiven, Aufstiegsmöglichkeiten und das kollegiale, auf gegenseitiger Wertschätzung basierende Arbeitsklima beim DZA.

Kritisch blickten sie allerdings auf die informellen Machtstrukturen in großen Runden, in denen eher Männer dominierten und Frauen deutlich häufiger ins Hintertreffen zu geraten drohten. Sie wünschten sich deshalb klare Leitbilder („Role Models“) und gendersensible und gleichstellungsorientierte Kommunikations- und Führungsformate. Auch sprachen sie sich für stabile institutionalisierte Strukturen aus, das heißt: für vertragliche Vereinbarungen, eindeutige Zuständigkeiten, transparente Prozesse.

Bindungsfaktoren stärken

Von ihrem Arbeitgeber erwarteten sie ferner, dass dieser sich in der Region dafür engagiert, den Struktur- und Kulturwandel entsprechend den eigenen Idealen – Diversität, Toleranz, Beteiligung – in der Lausitz voranzutreiben. Das DZA dürfe es nicht dabei belassen, „kollegialer Schutzraum“ für die Mitarbeiter*innen gegenüber regionalen Herausforderungen wie dem politischen Rechtsruck und dem geringen Grad von Internationalität zu sein. Es müsse sich vielmehr auch aktiv für regionale Belange und mehr gelebte Demokratie einsetzen. Dazu zähle, auf regionaler Ebene Maßnahmen anzuregen, die Frauen dabei helfen, sich in der Region zu verankern – angefangen von guten Kitas bis hin zu bezahlten Umzugshilfen und Wohnungsvermittlung.

Anika Noack sieht darin einen klaren Auftrag: Das DZA dürfe keine „Bubble“ sein, sondern habe eine Vorbildfunktion in der Region. Es solle seine Haltung als attraktiver Arbeitgeber daher verstärkt in die regionalen Netzwerke einbringen.

Ein erster Schritt ist bereits gemacht: Auf der Projektabschlusskonferenz des DZA zusammen mit der Sprint PartG und dem DGB-Revierwendebüro Lausitz am 25. Februar 2026 in Görlitz wurden die Ergebnisse der Befragungen öffentlich präsentiert. 

Ines Kuche, Gewerkschaftssekretärin und Beauftragte für Strukturwandel und Transformation im ver.di-Landesbezirk Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen regte dabei an, Mitsprache- und Beteiligung beim DZA stärker – insbesondere durch die Wahl eines Betriebsrats – zu institutionalisieren. Da das DZA aus Bundes- und Landesmitteln finanziert werde, solle die Tarifbindung weiterhin selbstverständlich sein.

Ansprechpersonen des Projekts: 

Projektleitung:
Florian Langguth und Anika Noack, Sprint PartG, Berlin

Kooperationspartner:
Daniel Herold, ver.di Bezirk Sachsen West-Ost-Süd
Markus Schlimbach, DGB Bezirk Sachsen

Key Visual der Förderlinie Transformation

Förderlinie Transformation

Es gibt viele Treiber von Transformationsprozessen: Digitale Transformation, Klimawandel, Energiekrise etc. Folgen sind hoher Veränderungsdruck in Betrieben, Branchen und Regionen und für die dort arbeitenden Menschen. Im Zentrum der Förderlinie steht: Wir bringen Erfahrungswissen und akademisches Wissen gewinnbringend zusammen – betrieblich, regional, lösungsorientiert. Das Ziel ist, mit kurzformatigen Projekten dem hohen Veränderungsdruck in der Arbeitswelt Rechnung zu tragen. Die Veränderungsdynamiken und ihre Anforderungen an Mitbestimmungsprozesse und ihre Akteure sollen wissenschaftlich beraten und begleitet werden.

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