Mitbestimmungspraxis 69
Der mitbestimmte Algorithmus
Das Projekt PROTIS-BIT zeigt, wie Betriebs- und Personalrat durch Mitbestimmungspläne, Checklisten und den „Moderierten Spezifikationsdialog“ KI-Systeme arbeitnehmer*innenfreundlich gestalten können.
Die Gestaltung neuer, komplexer algorithmischer Systeme droht zu scheitern, wenn sie allein mit dem Denken und den Werkzeugen der vergangenen Digitalisierungsphasen betrieben wird. Das Verständnis früherer Arbeitswelten und bisherige Leitmotive reichen nicht mehr aus. Neben den Rückblick aus der Vergangenheit auf die Gegenwart muss ein zweiter, entscheidender Blick treten: der vorausschauende Blick aus der Zukunft auf das Heute. Nicht die Frage „Was kann ein digitales Werkzeug?“ ist zentral, sondern „Wie verändert sich ein algorithmisches System nach seiner Implementierung selbst – und was wird es künftig leisten können?“
Die Gestaltung der sogenannten „künstlichen Intelligenz“ wird nicht allein mit dem Handwerkszeug der bisherigen Digitalisierungsvorgänge gelingen. Algorithmische Steuerungs- und Entscheidungssysteme erfordern neue soziale Innovationen, die die bisherige Mitbestimmungspraxis nicht ersetzen, sondern sie von unten her erweitern, vertiefen und erneuern.
Der mitbestimmte Algorithmus — Impulse für eine Ergänzung der Mitbestimmungspraxis
Erfahrungen des Projekts PROTIS-BIT und des Forum Soziale Technikgestaltung
von Welf Schröter
Mitbestimmungspraxis 69
Düsseldorf: 2026, ISSN 2366-0449, 22 Seiten
Die Veröffentlichung stellt zur Debatte, wie Beschäftigtenvertretungen, Gewerkschaften und Betriebe diese neuen Wege beschreiten können – durch erweiterte Prozessbetrachtungen, dialogische Verfahren wie den „Moderierten Spezifikationsdialog“ und neue Instrumente wie Mitbestimmungsplan und Checkliste. So entsteht eine zukunftsorientierte, lernfähige Mitbestimmungspraxis, die menschliche Erfahrung, technisches Wissen und soziale Verantwortung miteinander verbindet.
