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Aktuelle Zahlen und Fakten

Gleichstellung von Frauen und Männern

Von: Dietmar HoblerYvonne LottSvenja PfahlKarin Schulze Buschoff26.02.2020

Wie steht es um die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland? Ein neuer WSI-Bericht beleuchtet diese Frage anhand von 29 Indikatoren. Wir dokumentieren die wichtigsten Ergebnisse mit Blick auf die Mitbestimmung.

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Mitbestimmung in Aufsichtsräten

Frauen stellen 30 Prozent aller Aufsichtsratsmitglieder in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen. Frauen sind in den Aufsichtsräten von mitbestimmten Unternehmen (33 Prozent) deutlich häufiger vertreten als in nicht-mitbestimmten Unternehmen (20 Prozent).

Grafik: Frauen- und Männeranteile in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen nach Unternehmensmitbestimmung in  Deutschland (200 9–2018), in Prozent

Trotz deutlichen Anstiegs seit 2008 stellen Frauen weiterhin nur die Minderheit in den Aufsichtsräten der 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen: 30 Prozent aller Aufsichtsratsmitglieder sind weiblich, 70 Prozent männlich.

Deutliche Unterschiede zeigen sich dabei zwischen mitbestimmten und nicht-mitbestimmten Unternehmen.

In Aufsichtsräten mitbestimmter Unternehmen fiel der Frauenanteil zwischen 2009 und 2013 mindestens doppelt so hoch aus wie in nicht-mitbestimmten Unternehmen.
Seit 2015 holen die nicht-mitbestimmten Unternehmen etwas auf, dennoch ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten mitbestimmter Unternehmen mit 33 Prozent im Jahr 2018 immer noch deutlich höher als in nicht-mitbestimmten Unternehmen (20 Prozent).

Anmerkung: Ursache für die deutlich unterschiedlich hohen Frauenanteile ist, dass auf Seiten der Arbeitnehmer*innen anteilig  mehr Frauen in die Aufsichtsräte entsandt werden als auf Seiten der Anteilseigner*innen.

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Mitbestimmung in Vorständen

Frauen nehmen lediglich 8 Prozent aller Vorstandssitze der 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen ein. In den Vorständen von mitbestimmten Unternehmen stellen Frauen mit 9 Prozent einen um die Hälfte größeren Anteil an Vorstandsmitgliedern als in nicht-mitbestimmten Unternehmen (6 Prozent).

Grafik: Frauen- und Männeranteile in Vorständen börsennotierter Unternehmen nach Unternehmensmitbestimmung in Deutschland (2009 –2018), in Prozent

Frauen besetzen lediglich 8 Prozent aller Vorstandssitze in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen (ohne Abb.).
Je nach Unternehmensmitbestimmung, also danach, ob es sich um Vorstände in mitbestimmten oder nicht-mitbestimmten Unternehmen handelt, fallen die Frauenanteile zwischen 2009 und 2018 in den Vorständen unterschiedlich hoch aus (vgl. Grafik):

  • In mitbestimmten Unternehmen stieg im Beobachtungszeitraum der Frauenanteil in den Vorständen von 3 auf 9 Prozent an.
  • In nicht-mitbestimmten Unternehmen gab es hingegen keine eindeutige Tendenz: Den höchsten Frauenanteil in den Vorständen gab es 2013 mit 6 Prozent. Danach ging der Frauenanteil zunächst wieder zurück, stieg dann aber 2018 erneut auf knapp 6 Prozent an.

Anmerkung: Rund zwei Drittel aller Vorstandssitze in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen entfallen auf mitbestimmte Unternehmen (460 von 702). Etwa ein Drittel aller Vorstandssitze entfällt auf nicht-mitbestimmte Unternehmen (242 von 702). Der Grad der Gleichstellung in den Vorständen wird auch durch die Unternehmensmitbestimmung beeinflusst, obwohl es zunächst einmal die Aufsichtsräte sind, die in mitbestimmten und nicht-mitbestimmten Unternehmen unterschiedlich gebildet werden. Da aber die Vorstände von den Aufsichtsräten bestellt werden, wirkt sich hier aus, dass in den Aufsichtsräten auch Arbeitnehmervertreter*innen (und damit verstärkt auch Frauen) vertreten sind.

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Mitbestimmung in Betriebsräten

Gemessen an ihrem Belegschaftsanteil (42 Prozent) sind Frauen in Betriebsratsgremien (mit 39 Prozent) leicht unterrepräsentiert. Noch stärker unterrepräsentiert sind Frauen beim Vorsitz des Betriebsratsgremiums: Nur 27 Prozent der Betriebsräte werden von Frauen angeführt.

Grafik: Frauenanteil an der Belegschaft und im Betriebsratsgremium nach Betriebsgröße in Deutschland (2015), in Prozent

Frauen sind in Betriebsratsgremien  –  gemessen an ihrem Anteil an der Belegschaft – im Durchschnitt leicht unterrepräsentiert: Sie stellen mehr als 42 Prozent aller Beschäftigten in Betrieben mit Betriebsrat, aber nur 39 Prozent der Betriebsratsmitglieder. Eine leichte Unterrepräsentanz von Frauen in Betriebsratsgremien besteht in fast allen Betriebsgrößenklassen. Eine annähernd proportionale Vertretung zeigt sich am ehesten bei kleinen Betrieben mit 20 bis 49 Beschäftigten sowie bei Großbetrieben mit mehr als 1.500 Beschäftigten.

Beim Betriebsratsvorsitz sind Frauen stärker unterrepräsentiert: Nur in jedem vierten Betrieb mit Betriebsrat (27 Prozent) hatte eine Frau den Vorsitz im Betriebsratsgremium. Die Unterrepräsentanz von Frauen fällt hier in kleinen Betrieben geringer aus als in mittleren oder Großbetrieben.

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Partizipation an betrieblichen Führungspositionen

Frauen sind in der oberen Führungsebene immer noch deutlich unterrepräsentiert (26 Prozent). Allerdings stellen Frauen in der zweiten Führungsebene (40 Prozent) inzwischen einen fast ebenso großen Anteil wie an allen Beschäftigten in der Privatwirtschaft (44 Prozent).

Grafik: Frauen- und Männeranteil an allen Beschäftigten und in Führungspositionen in Deutschland (2004, 2008, 2012, 2016), in Prozent

Der Beschäftigtenanteil von Frauen in privatwirtschaftlichen Betrieben beträgt 44 Prozent. Auf der zweiten betrieblichen Führungsebene sind Frauen mit 40 Prozent inzwischen fast entsprechend ihres Beschäftigtenanteils vertreten. Anders jedoch in der oberen betrieblichen Führungsebene: Hier sind Frauen (immer noch) stark unterrepräsentiert. Sie nehmen nur ein Viertel (26 Prozent) aller Plätze in der ersten Führungsebene ein.

Im Zeitvergleich zeigt sich zwischen 2004 bis 2016 vor allem ein Anstieg des Frauenanteil auf der zweiten Führungsebene (33 auf 40 Prozent).

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Partizipation in Gewerkschaften

Frauen stellen 34 Prozent aller Mitglieder der Gewerkschaften des DGB. Infolge des Rückgangs der Mitgliedszahlen unter Männern hat sich der Frauenanteil seit 2005 um 2 Prozentpunkte erhöht.

Grafik: Weibliche und männliche Mitglieder in den DGB-Gewerkschaften in Deutschland (2005 – 2017), in Tausend

Die acht DGB-Gewerkschaften zählen mehr als 6 Millionen Mitglieder, wovon ein Drittel Frauen sind. Dabei hat sich der Frauenanteil in den DGB- Gewerkschaften zwischen 2015 und 2017 um 2 Prozentpunkte erhöht, was auf den stärkeren Rückgang der Mitgliedschaften von Männern (14 Prozent) gegenüber Frauen (6 Prozent) zurückzuführen ist.

In den einzelnen DGB-Gewerkschaften stellen die Frauen unterschiedlich hohe Anteile an der Gesamtheit aller Mitglieder: Ursache dafür ist die geschlechterbezogene berufliche Segregation, d. h. die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männer auf Berufsfelder und Branchen.

 

aus: Stand der Gleichstellung von Männern und Frauen in Deutschland, WSI Report Nr. 56, 02/2020
Cover Gleichstellungsreport WSI

Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland

Dietmar Hobler, Yvonne Lott, Svenja Pfahl, Karin Schulze Buschoff

Reihe: WSI Report, Nr. 56.
Düsseldorf:  2020, ISSN: 2366-7079. 50 Seiten
 

Gleichstellung in Deutschland - Frauen holen auf, Ungleichheiten bleiben

Illustration Genderdatenportal

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