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Porträtreihe „Praxiswissen“

Wie gesundes Arbeiten im Alter gelingen kann

Gesundes Arbeiten im Alter ist nicht nur möglich, sondern trägt auch zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von Unternehmen bei. Wir stellen vier Unternehmen vor, die zeigen, wie das funktionieren kann.

Gesund bleiben und bis zur Rente arbeitsfähig sein – das wünschen sich viele Beschäftigte. Doch gibt es dafür ein wirksames Rezept? Menschen können mit ihrer Arbeit alt werden, wenn ihre Arbeitsfähigkeit bis zum Renteneintritt erhalten und gezielt gefördert wird. Gute Arbeit wie sie der im DGB Index definierte Anforderungskatalog versteht ist jedoch in vielen Betrieben noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Vier ermutigende Beispiele aus Hannover zeigen allerdings, dass sich eine Präventionskultur auch in der Industrie erfolgreich etablieren lässt.

In unserer Porträtreihe „Praxiswissen“ stellen wir die Maßnahmen dieser Unternehmen vor: 

  • Den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha)
  • Die Vereinigten Schmirgel- und Maschinen-Fabriken AG (VSM) – ein mittelständisches Chemieunternehmen, das trotz seiner Rechtsform als Aktiengesellschaft inhaberorientiert geführt wird 
  • Den VW-Geschäftsbereich Volkswagen Nutzfahrzeuge 
  • Die Continental Reifen Deutschland GmbH

Demografischer Wandel als Herausforderung

Allen vier porträtierten Betrieben ist eines gemeinsam: Sie reagieren auf den demografischen Wandel in der Erwerbsbevölkerung und die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Mit Strategien und konkreten Maßnahmen unterstützen sie ein möglichst langes Arbeitsleben ihrer Beschäftigten. Dabei setzen sie vor allem auf drei Handlungsfelder:

  • Ergonomische Arbeitsgestaltung und Arbeitsorganisation
  • Fort- und Weiterbildung
  • Betriebliche Gesundheitsförderung

Ohne ältere Beschäftigte, so ihre Überzeugung, sind Produktivität und wirtschaftliche Entwicklung langfristig gefährdet.

Ergonomische Arbeitsgestaltung als Grundlage

Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und eine gesundheitsgerechte Arbeitsorganisation gehören für die porträtierten Betriebe zu den zentralen Voraussetzungen für ein langes Arbeitsleben. Technik, Arbeitsbedingungen und Arbeitsmittel sind so gestaltet, dass Fehlbeanspruchungen für die Beschäftigten auch langfristig vermieden werden. Davon – so die Erkenntnis der Betriebe – profitieren nicht nur ältere Beschäftigte: Ergonomie wirkt auch präventiv für Jüngere.

Lebenslanges Lernen stärkt Beschäftigungsfähigkeit

Als weiterer Eckstein wurde lebenslanges Lernen erkannt. Die vorgestellten Betriebe setzen gezielt auf berufsbegleitende Weiterbildung, um die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit ihrer Belegschaften zu sichern. Qualifizierung gilt zugleich als wichtiger Faktor für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit – unabhängig vom Alter der Beschäftigten.

Gesundheitsförderung als Teil der Unternehmenskultur

Die dritte Säule für eine gute Arbeitsfähigkeit ist die Erhaltung ihrer physischen, psychischen und sozialen Gesundheit. Je konsequenter entsprechende Maßnahmen in der Arbeitswelt umgesetzt werden, desto besser gelingt es Unternehmen, die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und sich im Wettbewerb zu behaupten. Die porträtierten Betriebe setzen dabei nicht allein auf die Verantwortung des Einzelnen für seine körperliche und geistige Verfassung. Vielmehr verstehen sie Gesundheitsförderung als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur. Entsprechend gehen ihre Aktivitäten über Einzelmaßnahmen zu Bewegung, Ernährung, Genuss- und Suchtverhalten hinaus: Sie sind in ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement eingebettet, das die gesamte Erwerbsphase der Beschäftigten begleitet.

Für die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM), der Gefährdungsbeurteilung und der Vorsorgeuntersuchungen stellen die Betriebe Personal, Zeit und finanzielle Ressourcen bereit. Ziel ist es, die Ursachen hoher Krankenstände zu ermitteln und geeignete Gegenmaßnahmen zu entwickeln – insbesondere mit Blick auf psychische Erkrankungen.

Mitbestimmung als Erfolgsfaktor

Ein weiteres gemeinsames Merkmal der vorgestellten Unternehmen ist eine ausgeprägte, institutionalisierte Mitbestimmungskultur. Diese ist ein Gewinn für alle Beteiligten, von Unternehmensleitungen, über Betriebs- und Personalräte bis hin zu den Beschäftigten. Mitbestimmung stärkt die Bindung der Belegschaften und unterstützt eine langfristig orientierte Unternehmensentwicklung.

Für die befragten Interessenvertretungen bedeutet Mitbestimmung vor allem, sich für die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze ihrer Kolleginnen und Kollegen einzusetzen. Dabei engagieren sie sich gezielt auch für Ältere, damit diese den Unternehmen möglichst lange erhalten bleiben. Ebenso treten sie dafür ein, dass alternsgerechte Arbeitsplätze in den Betrieben geschaffen werden.

Ihre Aufgabe sehen die Betriebs- und Personalräte nicht nur darin, die Einhaltung von Gesetzen, Tarifverträgen und Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen zu kontrollieren sowie Beschäftigung zu sichern. Dank ihrer Schutz- und Gestaltungsrechte verstehen sie sich zunehmend auch als Treiber für gute Arbeitsbedingungen, insbesondere für präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. Diese unterstützen die Interessenvertretungen durch Schulungen, Informationsmaterial, Rechtsbeistand, Beratung im Betriebsalltag sowie in Konflikt- und Krisensituationen. Eine enge Kooperation stärkt die Interessenvertretungen auch in Verhandlungen mit der Geschäftsführung.