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Toolbox KMU: Handlungsfeld 3

Kommunikation und Beteiligung

Überblick

In diesem Handlungsfeld geht es um die Kommunikation und Beteiligung:

Der Betriebsrat nutzt ein breites Spektrum von Kommunikationsmöglichkeiten, um Informationen transparent darzustellen und möglichst viele Menschen im Unternehmen an seiner Arbeit und den Informationsprozessen zu beteiligen. Nur durch die Information und Beteiligung der Mitarbeiter entwickelt er Durchsetzungsstärke.

Was ist zu tun?

Interaktion und Kommunikation mit der Belegschaft

  • Wir informieren regelmäßig die Belegschaft über wichtige Vorgänge aus der Betriebsratsarbeit z.B. über Aushänge in Schaukästen, per Mail und Intranet oder Flyer.
  • Wir führen die vorgeschriebenen Betriebs- und Abteilungsversammlungen durch.
  • Bei regelmäßigen Rundgängen und gezielten Gesprächen informieren wir und holen uns Feedback.
  • Es gibt Möglichkeiten (z.B. Boxen) für Rückmeldungen der Beschäftigten.
  • Wenn wir Forderungen des Betriebsrates aufstellen, beteiligen wir die Mitarbeiter.
  • Wir beziehen die Beschäftigten bei wichtigen Veränderungsprozessen im Unternehmen mit ein.
  • Wir machen die Ergebnisse unserer Arbeit und die BR-Leistungen sichtbar und attraktiv.
  • Wir vereinbaren Jahres-Terminpläne mit Betriebs- und Abteilungsversammlungen, Sitzungen und weiteren wichtigen Terminen und Meilensteinen.

Werkzeuge

Mitarbeiter-Interview-Fragebogen

Manchmal weichen die eigene Einschätzung und die der Mitarbeiter voneinander ab. Regelmäßige Befragungen der Mitarbeiter zum Betriebsrat ermöglichen wichtiges Feedback. Die Ergebnisse aus den Fragen können gemeinsam auf einer BR-Sitzung ausgewertet werden.

Handlungsempfehlungen für Betriebs- und Abteilungsversammlungen

In der Vorbereitung zur Durchführung von Betriebs-/Abteilungsversammlungen ist die Verbindung von organisatorischem Rahmen und Inhalten wichtig. Es gibt gute Möglichkeiten, auch mit ungewöhnlichen Methoden, die Versammlungen interessanter zu machen und dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten selber zu Wort kommen können.

In: Wir machen Beteiligung; eine Handlungshilfe für Betriebsräte und Vertrauensleute; IG Metall Vorstand 2017, Frankfurt am Main, S. 11

Ideen und Praxisbeispiele zur Durchführung und Gestaltung von Betriebsversammlungen

In: Wir machen Beteiligung; eine Handlungshilfe für Betriebsräte und Vertrauensleute; IG Metall Vorstand 2017, Frankfurt am Main, S. 27 - 33

Eine Abfrage mit Klebepunkten bildet ein einfaches Abstimmungs-, Meinungs- und Bewertungsinstrument.

In: Wir machen Beteiligung; eine Handlungshilfe für Betriebsräte und Vertrauensleute; IG Metall Vorstand 2017, Frankfurt am Main, S. 32

Links

Wir machen Beteiligung; eine Handlungshilfe für Betriebsräte und Vertrauensleute; IG Metall Vorstand 2017, Frankfurt am Main

„Sachkundige Arbeitnehmer“ (Abonnement erforderlich)
AiB Praxiswissen 2015 / siehe § 80 Abs. 2 BetrVG / ausführliche Broschüre hierzu: IG BCE BR-Stichworte 06: Sachverständige für den BR, Kai Stumper, 147 Seiten

Besonders zu beachten in KMU

Die Chance, dass „jeder jeden kennt“ ist im KMU relativ groß. Das erleichtert die Beteiligung der Beschäftigten zu den Forderungen des Betriebsrates. Die direkte und regelmäßige Kommunikation mit den Beschäftigten stärkt den BR. Auf diese Weise können auch Experten aus der Belegschaft „aufgespürt“ werden, die für die (fachliche) Unterstützung der BR-Arbeit nützlich sein können.

Beispiele Guter Praxis

Ein Betriebsrat war unzufrieden mit der Art, wie in seinem Unternehmen kommuniziert wurde. Die Beschäftigten beschwerten sich beim Betriebsrat über fehlende oder zu späte Informationen durch die Führungsebene. Die Kommunikations-Kultur war nicht entsprechend entwickelt und es fehlte der Leitung die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Kommunikation.
Nachdem die Unternehmensleitung nicht auf die Hinweise des Betriebsrates reagierte, fasste der Betriebsrat einen Beschluss. Er initiierte eine eigene Zufriedenheits-Befragung, das „Stimmungs-Barometer“. Sie enthält wenige Fragen, mit geringem Zeitaufwand für die Beschäftigten.
Das Stimmungs-Barometer wird regelmäßig zweimal im Jahr durchgeführt, erst per Zettel, jetzt als Online-Befragung, die ein IT-Kollege aus dem Betriebsrat vorbereitet hatte. Das die Unzufriedenheit durch die Befragung sichtbar wurde, hat dazu geführt, dass die Geschäftsführung jetzt mehr Informationen an die Beschäftigten gibt.

Der Betriebsrat der Neuen Westfälischen Zeitung hat mit dem Modell „Türen auf“ einen virtuellen Adventskalender erstellt: Jeden Tag um 10 Uhr wurde per E-Mail ein „Türchen“ geschickt, in dem eine Abteilung vorgestellt wurde, verbunden mit aktuellen Themen des Betriebsrates. Damit lernten sich indirekt viele verschiedene Beschäftigte kennen, die sonst in keinem Kontakt zueinander stehen und die Informationen des Betriebsrates bekamen einen schönen Aufhänger und wurden so interessanter für die Belegschaft. Die Aktion fand regen Anklang und wurde von allen Mitarbeitern sehr gut aufgenommen.

Stefan Mertens, Betriebsratsvorsitzender der Kreis Weseler Abfallgesellschaft mbH & Co.KG hat im Projekt gemerkt, dass es wichtig ist, mit dem Arbeitgeber reden zu können. „Es hat keinen Sinn, jede Woche vor der Einigungsstelle zu landen.“ Der Abteilungsleiter wurde zu einem der in der Begleitung stattfindenden Workshops eingeladen und hatte dort auch die gute Idee, die Aushänge des Betriebsrates durch elektronische Touchscreens zu ergänzen. Jetzt wird die Arbeitgeberseite immer frühzeitig in die Kommunikation mit einbezogen. Möglichen Auseinandersetzungen kann so vorgebeugt werden.

Ein Betriebsrat schickt jeden Mittwochabend nach der Sitzung einen regelmäßigen Newsletter mit Neuigkeiten aus der Sitzung die kommuniziert werden dürfen, angereichert mit aktuellen Gerichtsurteilen und interessanten Studien. Wenn die Zeit zu knapp ist, erfolgt diese Info teilweise auch in Stichpunktform, die Hauptsache ist, dass er regelmäßig erscheint. Das ist wichtig für das Gefühl der Teilhabe unter der Belegschaft. Zusätzlich zum Newsletter gibt es ab und zu noch eine Extra-E-Mail, wenn etwas Besonderes passiert ist.

Der Betriebsrat einer regionalen Zeitung veranstaltet regelmäßig ein Betriebsratscafé, in dem ein externer Experte (zu Rente, Steuer, Arbeitsrecht, Verwaltung) kostenlos über für sie relevante Themen referiert und Fragen beantwortet. Die Aktivität verursacht nur einen verhältnismäßig geringen Organisationsaufwand, aber lockt Mitarbeiter ins BR-Büro und stößt auf positive Resonanz.

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