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Projekt zur sozial-ökologischen Transformation

Nachhaltiges Wirtschaften braucht Mitbestimmung

Dr. Klaus-Stephan Otto30.06.2021

Klimawandel und Anforderungen an nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften stellen Unternehmen und die Mitbestimmung vor große Herausforderungen. Wie können Beschäftigte und Mitbestimmungsakteure zu Mitgestaltern dieser Transformation werden?

Icon Mobility Transformation

Unsere Welt steht vor der großen Herausforderung des Wandels zu sozial ausgerichteten und nachhaltigen, klimabewahrenden Formen des Wirtschaftens. Dieser Herausforderung der sozial-ökologischen Transformation muss sich vor allem auch der Mobilitätsbereich stellen. 

In dem am 1.1.2021 gestarteten Projekt mit dem Titel „Die Rolle der betrieblichen Mitbestimmungsakteure in der sozial-ökologischen Transformation von Mobilitätsunternehmen“ der Hans-Böckler-Stiftung werden durch die EVOCO GmbH Mitbestimmungsakteure von vier Mobilitätsunternehmen aus dem Automobilbereich und dem öffentlichen Personennahverkehr über zwei Jahre in ihren Transformationsprozessen begleitet. Dazu gehören:

  • das VW Werk Emden, das aktuell seine Produktion von Verbrenner-PKWs auf Elektro-PKWs umstellt, 
  • das VW Werk Salzgitter, das Verbrennermotoren herstellt und jetzt zum weltweiten Kompetenzzentrum des Volkswagen-Konzerns für Batterien geworden ist. VW baut dort eine Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien und plant zusammen mit dem US-Partner Quantumscape die erste Pilotanlage für neuartige Feststoffbatteriezellen, 
  • die Werkstatt Omnibusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), wo aktuell der Umstieg auf Elektrobusse stattfindet und
  • das Reifenwerk von Goodyear Dunlop Tyres Germany in Riesa (Sachsen), wo eine zukünftige nachhaltige Reifenproduktion Thema ist.

Beim Projekt wird eine der transformativen Forschung entsprechende Herangehensweise gewählt. Das bedeutet, dass mit der Arbeit die Transformationsprozesse unterstützt werden sollen. Es geht darum, wie Beschäftigte Mitgestalter des Strukturwandels werden können. Die konkreten Veränderungsprozesse werden begleitet und dabei werden die Mitbestimmungsakteure im Betrieb, also die Betriebsräte/Personalräte, Vertrauensleute, Arbeitnehmer*innen im Aufsichtsrat und Beschäftigte, aktiv in den Forschungsprozess einbezogen. Im Projekt sollen verschiedene Lösungswege erarbeitet und ausprobiert werden, die den Mitbestimmungsakteuren ermöglichen, die Transformation gemeinsam mit den Beschäftigten aktiv mitzugestalten. Dazu werden:

  • Interviews mit Mitbestimmungsakteuren, Beschäftigten und Experten durchgeführt,
  • angelehnt an die Felder des HBS Projekts „Nachhaltige Betriebsratsarbeit in KMU“ sechs Handlungsfelder für die Mitbestimmungsakteure in der sozial-ökologischen Transformation entwickelt, mit überprüfbaren Indikatoren zum Stand der jeweiligen Betriebe in den entsprechenden Feldern. Dabei geht es z.B. um Beschäftigungssicherung, Qualifizierung, Beteiligungsformen und die Weiterentwicklung der Betriebsratsarbeit,
  • mit dieser Indikatorenliste die Handlungsfelder der sozial-ökologischen Transformation im jeweiligen Unternehmen analysiert und darauf aufbauend die Umsetzungsplanung gemeinsam erarbeitet,
  • in der Umsetzung Tools und Instrumente erprobt und evaluiert und
  • die entwickelten Tools und Handlungshilfen anderen Unternehmen zur eigenen Anwendung online zur Verfügung gestellt.

Es zeigt sich schon jetzt, dass die neue Bundesregierung im Betriebsverfassungsgesetz den Betriebsräten Mitbestimmungsrechte zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit ermöglichen sollte, um dadurch auch Anreize zu schaffen, intensiver an diesem Thema zu arbeiten und die Kompetenz der Beschäftigten für den Erfolg der notwendigen Transformation einzubringen. Über den Stand des Projekts wird fortlaufend auf der Website der Hans-Böckler-Stiftung informiert.