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Doku (mit Video)

Zukunftsdialog Mitbestimmung 2035

Von: Sascha MeinertMichael Stollt 23.10.2018

Der Digitalisierung eine Richtung geben! Das war Motto des Zukunftsdialogs von Hans-Böckler-Stiftung und Arbeitskammer des Saarlands. Mit Hilfe von Szenarien erarbeiteten junge Mitbestimmungs­akteure Handlungsansätze und Gestaltungsmöglichkeiten für die Arbeitswelt von morgen.

Innovation ist nur dann Fortschritt, wenn Arbeit besser wird.

Kommission "Arbeit der Zukunft"

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist in vollem Gange. Doch sie ist keine Naturgewalt. Wie sich die Arbeitsbeziehungen und -abläufe im Zuge dieses Prozesses verändern werden, hängt maßgeblich davon ab, wie und mit welchen Zielsetzungen digitale Technologien genutzt werden. In welchem gesellschaftlichen Kontext sie sich entfalten und wie die Interessen der Beschäftigten dabei einbezogen werden.

"Der Digitalisierung eine Richtung geben!" – Dahinter steht der Anspruch, nicht abzuwarten, was passieren wird, sondern die Zukunft selbst aktiv mit zu gestalten: indem wir unsere Anliegen in einen längerfristigen und größeren Bezug stellen, zugleich aber fragen „Was können wir heute tun, damit es in eine gute Richtung geht?“

Die Teilnehmenden des Zukunftsdialog MITBESTIMMUNG 2035 erwartete ein spannendes Programm mit viel Raum für Austausch und mutige Zukunftsentwürfe in einer Gruppe, in der ganz unterschiedliche Perspektiven und Arbeitshintergründe zusammen kamen.

Graphic recording Zukunftssymposium 2035

Eine Exkursion zum Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) in Saarbrücken bot Einblicke in neueste Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung von Produktionsabläufen.

Ausgehend von vier Szenarien, die vom Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung (IMU) in Zusammenarbeit mit dem Berliner Institut für prospektive Analysen (IPA) entwickelt worden sind, erkundete die Gruppe unterschiedliche, aber gleichermaßen plausible ‚Zukünfte’ der Digitalisierung. Gemeinsam wurden Strategien und Werkzeuge für unterschiedliche thematische Fragestellungen entwickelt:

  • Wie wird sich das Verhältnis von Mensch und Maschine in der Zukunft gestalten?
  • Welche Perspektiven bringt die Digitalisierung für die Arbeitsorganisation und (neue) Beschäftigungsformen?
  • Datenhoheit: Welche Daten werden von wem und zu welchem
    Zweck erhoben?
  • Wie kann der Strukturwandel – insbesondere da, wo Arbeitsplätze im Zuge von Digitalisierung und Automatisierung verschwinden – sozial gestaltet werden? Wie kann Beschäftigungsfähigkeit gesichert werden?

Dies sind nur einige der Schauplätze, wo unterschiedliche Interessen austariert und faire Spielregeln ausgehandelt werden müssen. Und sicher werden sich auch die Strukturen und Instrumente der Mitbestimmung selbst durch die Digitalisierung verändern.

Podiumsdiskussion beim Zukunftsdialog
Diskussionsrunde mit Dr. Heino Klingen, Anke Rehlinger, Prof. Rainer Müller und Eugen Roth (v.l.n.r.) | © AK/ HBS (Foto: Iris Maurer)

Auch in diesem  Jahr fand die Szenarien-Werkstatt im Rechtsschutzsaal von Friedrichsthal statt, dem ältesten Gewerkschaftsgebäude in Deutschland. Dieser Ort bietet ein anregendes Spannungsfeld von Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Abschließend wurden die Zukunftsentwürfe in der Arbeitskammer des Saarlandes einem breiteren Publikum und Akteuren aus der Politik vor- und zur Diskussion gestellt. Die Fishbowl-Diskussion mit Dr. Heino Klingen (IHK Saarland), Anke Rehlinger (Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr im Saarland), Prof. Dr.-Ing. Rainer Müller (ZeMA) und Eugen Roth (DGB Rheinland-Pfalz/Saarland und MdL) fügte weitere wichtige Facetten und Perspektiven hinzu.

Kreativ und ohne Scheuklappen: Beim dritten „Zukunftsdialog Mitbestimmung 2035“ entwickelten junge Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter Ideen für eine menschengerechte Arbeitswelt der Zukunft.

Vier Szenarien beschreiben unterschiedliche mögliche Zukünfte der Digitalisierung der Arbeitswelt. Sie bieten einen Orientierungsrahmen, um aktuelle Entwicklungen sowie bestehende Handlungsstrategien zu bewerten und neue Gestaltungsspielräume für eine wirksame Mitbestimmung zu erschließen.

Sascha Meinert

Sascha Meinert

ist Politik­wissenschaftler und leitet seit 2004 das Institut für prospektive Analysen (IPA) in Berlin. Für die Hans-Böckler-Stiftung konzipierte und begleitet er den Szenarien-Prozess Mitbestimmung 2035.

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Michael Stollt

Michael Stollt

leitet das Referat Mitbestimmungs­­­portal und koordiniert die Szenario-Aktivitäten am Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung (I.M.U.). Zuvor forschte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Europäischen Gewerkschaftsinstitut in Brüssel zu europäischen Mitbestimmungsfragen.

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